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  Archiv / Hückeswagen

Artikel vom: 07.07.2004

Friedenskapelle Voßhagen lud zu einem interessanten Vortrag ein

Von Anika Bever

Ein Verein, eine Religionswissenschaftlerin und eine interessante Botschaft zum hochaktuellem Thema Fundamentalismus. Das ist das Sommerfest des Freundeskreises Friedenskapelle Voßhagen. Wenn auch leider nur wenige Hückeswagener den Weg zur idyllischen Kapelle oberhalb der Wuppertalsperre gefunden haben, so konnte sich die Referentin Felicitas Theile nicht über zu wenig Zuhörer beklagen.

Etwa 100 sehr aufmerksame Zuhörer fanden Platz in und um die Kapelle. Der diesjährige Vortrag trug den Titel "Politisierte Religion - Woher kommt der Fundamentalismus?". Nach einer kurzen Einführung durch den zweiten Vorsitzenden des Vereins, Dr. Peter Schmedding, trug die Religionswissenschaftlerin Theile zunächst Grundsätzliches zum Thema Fundamentalismus vor - was versteht man eigentlich darunter? Der Begriff wird heute inflationär verwendet und mit Erstaunen hörten die Gäste, dass der Begriff aus dem beginnenden 20. Jahrhundert und dort aus dem amerikanischen Puritismus entstanden ist. Im Fundamentalismus gibt es nur eine Wahrheit, Technik und Fortschritt, die Wissenschaften werden verteufelt, man wendet sich in die Vergangenheit, es gibt nur Schwarz und Weiß - alle Grautöne, die das Leben bereithält, werden geleugnet - und dadurch ergibt sich eine Unfähigkeit zur Diskussion und zur Toleranz. Es entsteht ein Hass gegen alles, was von dieser selbst ersonnenen "wahren Lehre" abweicht, die menschliche Vernunft wird geleugnet.

Frau Theile führte anschaulich aus, dass in allen Weltreligionen - und zwar nicht nur in den monotheistischen - Fundamentalismus feststellbar ist. Fundamentalisten werden oft von Theologen aller Religionen kritisiert. Jedoch haben Gruppierungen mit fundamentalen Einstellungen häufig nur sehr wenig Kenntnis von den theologischen Grundlagen ihrer eigenen Religion. Die Religion wird missbraucht, um eigene politische Ziele zu erreichen. DieReferentin nahm auch Bezug auf die dunklen Seiten der Geschichte des Christentums und ging durchaus kritisch mit der eigenen Kulturgeschichte um. Bei der Frage, was man selbst gegen fundamentalistisches Gedankengut tun könne, definierte sie einige Thesen. Das Fehlen verbindlicher, einheitlicher Werte und Normen führt zu einer starken Verunsicherung der Menschen. Solche Werte müssen gefunden und bewahrt werden über die Grenzen von Religionen und Staaten hinweg.

Wichtig war es der Referentin, den Beitrag jedes Einzelnen zu verdeutlichen, um die Welt "friedensfähiger" zu gestalten, den Willen, voneinander und miteinander zu lernen. Sie schloss ihre Ausführungen nicht mit den eigentlich von ihr gewählten Worten sondern mit dem "Motto" des Freundeskreises Friedenskapelle Voßhagen: In Frieden leben erfordert nicht große Worte, sondern viele kleine Schritte. Im Anschluss fanden im Rahmen des Sommerfestes interessante Gespräche statt und bei Kaffee und Kuchen oder einer Grillwurst und einem kalten Getränk klang der Nachmittag in einem guten Miteinander aus.

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