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Wermelskirchen
Artikel vom:
28.12.2009
Mitstreiter mit guten Ideen gesucht
Von Andreas Weber
Mit Hilfe aus ihrer Heimatstadt Wermelskirchen möchte Denise Resch in Mexiko eine Selbsthilfegruppe etablieren und einen Verein vorantreiben, der autistischen Kindern hilft.Die 28-Jährige lebt mit ihrem Ehemann Alejandro Ladr¢n Guevara und ihren drei Kindern in der Hafenstadt Veracruz am Golf von Mexiko. Hendrik (4), der mittlere, ist Autist, kontakt- und kommunikationsgestört.
Eine Diagnose, für die Eltern schon in Deutschland von Pontius zu Pilatus laufen. "Und in Mexiko sind wir medizinisch noch mal um 20 Jahre zurück", meint Denise Resch.
Es dauerte mithin, ehe die Symptome in dem mittelamerikanischen Land richtig gedeutet wurden. Da half, dass sich Denise Resch über das Internet schlau gemacht hatte.
Denise Resch Hendrik fing erst mit vier Jahren an zu sprechen, Spielzeuge waren Fremdkörper für ihn. Der Junge liebt Bewegung. "Entweder er ist selber aktiv oder schaut zu, wenn andere in Aktion sind", meint seine Mutter. Er kennt kaum Schmerzen, wägt Gefahren nicht ab, reagiert aber in anderen Bereichen völlig überempfindlich. "Haare kämmen und schneiden ist ein Drama."
Die Erfahrungen, die Denise Resch mit ihrem Zweitgeborenen sammelt, sind für Ute Gagaridis nicht neu. Ihr Manuel war ähnlich: eine Junge, der sich in seine Welt zurückzog. Erst mit 11 wurde seine Krankheit, Asperger Autismus, nach einem ewigen Hin und Her zwischen Arztpraxen und am Ende haltlosen Vermutungen festgestellt.
Im vergangenen Jahr im September rief die Wermelskirchener Buchhändlerin eine Selbsthilfegruppe ins Leben, um betroffenen Eltern eine Plattform zu geben (der WGA berichtete).
Dieses Forum findet immensen Zuspruch. Zwei Gruppen mit je 17 Teilnehmern unter Leitung von Ute Gagaridis tauschen sich einmal monatlich im evangelischen Gemeindezentrum in Hilgen aus; eine weitere kommt Ende Januar in Leverkusen hinzu.
In Veracruz könnte dieses engmaschige Netzwerk als Vorbild dienen. "Denn der Bedarf bei uns ist ähnlich hoch wie hier", meint Denise Resch. 2003 hatte sie in Mexiko Urlaub gemacht; der Mann fürs Leben ließ sie 2004 ganz dorthin ziehen.
Selbsthilfe in Mexiko braucht vor allem Geduld. Ehrenamt ist dort so gut wie unbekannt. Zudem haben die meisten kein Internet, wenige ein Auto. Der Informationsfluss ist schleppend. "Die Strukturen sind auch sonst anders. Es gibt keine Arbeitslosen- und Sozialhilfe, Therapien muss man selber tragen", weiß Denise Resch.
Immerhin hat sie ihren Hendrik in einem integrierten Kindergarten unterbringen können. Die deutsche Mutter möchte etwas bewegen. Mit fünf Frauen trifft sie sich momentan, will den losen Austausch aber zu einer festen Selbsthilfegruppe ausweiten, die Autismus transparenter macht, praktische Tipps im Alltag gibt, Flyer druckt, Fachreferenten einlädt.
Ein wichtiger Schritt wäre für Denise Resch der Ausbau von "Ver Autismo A.C.". Der Verein befindet sich in Gründung. Er soll die vielen Mittellosen unterstützen, deren Kinder an Autismus leiden, eine entsprechende Förderschule tragen und Jugendliche in Arbeit integrieren.
Wie Manuel Gagaridis. Der 18-Jährige hat über das Kölner Förderwerk Salo West, das Gehörlose, Schwerhörige und Autisten ins Arbeitsleben integriert, eine Stelle gefunden. Bei Dynamit Nobel wird Manuel als Chemielaborant ausgebildet.
Für ihn und seine Familie ist dies ein Riesenschritt. "In der Schule war er immer der Außenseiter, im Beruf wird er voll akzeptiert. Das tut ihm richtig gut", meint Ute Gagaridis erleichtert.
Denise Resch, die von der Unterstraße stammt und 2000 hier ihr Abi machte, stieß über das Internet darauf, dass sie Rat in der alten Heimat einholen kann, nur einen Steinwurf entfernt von ihrem Elternhaus.
Ute Gagaridis lebt in Neuenhaus. Im Buchhandel ist sie nicht mehr tätig, arbeitet stattdessen am Autismus-Therapiezentrum in Hilden als Schul-Integrationsassistentin. Soweit möglich, sicherte sie Resch ihre Hilfe zu.
Nahziel der beiden engagierten Mütter: "In Deutschland einen Förderverein gründen, der durch Patenschaften, Benefizkonzerte und Verkäufe finanzielle Hilfe für autistische Kinder in Mexiko ermöglicht."
Mitstreiter mit Ideen werden gesucht. Mit ihren mittlerweile vielfältigen Kontakten will Ute Gagaridis auch für Mexiko die Werbetrommel rühren, nicht zuletzt bei den Veranstaltungen um den Welt-Autismustag am 2. April 2010.
Von ihrem vierwöchigen Weihnachtsurlaub wird Denise Resch jede Menge Anregungen auf die andere Seite des Atlantik mitnehmen. Sie hat Salo West besucht, die Förderschule Leichlingen-Kuhle, den integrativen Kindergarten Wellerbusch und die Mebus-Körmann-Stiftung kennengelernt.
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