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Remscheid
Artikel vom:
04.01.2010
Neujahrskonzert führte um die Welt
Von Frank Becker
Traditionen haben ja meist etwas Erfreuliches, so auch das dem Publikum liebgewordene Neujahrskonzert, zu dem am Samstagabend GMD Peter Kuhn mit den Bergischen Symphonikern ins nahezu ausverkaufte Teo Otto Theater einlud.Unter dem Motto "Eine musikalische Weltreise" bat man zum Antritt im Coupé einer dänischen Dampfeisenbahn Platz zu nehmen.
H.C. Lumbyes "Kopenhagener Eisenbahngalopp" fuhr unter Volldampf mit Pfeifen und Signal aus dem Kopfbahnhof am Baneg†rdsplads.
Erster Halt war Spanien, mit einer grandiosen "Carmen"-Phantasie für Violine und Orchester in der Bearbeitung von Franz Waxmann. Der Ausnahme-Geiger Alexander Gilman (27) übernahm mit einer hinreißenden Interpretation auf der Höhe künstlerischer Möglichkeiten den Solo-Part des unerhört anspruchsvollen Arrangements.
Er lebte das Stück mit jeder Faser, jedem Gedanken, jedem Bogenstrich und jeder noch so raffinierten Kadenz. Das Orchester folgte der Bogenführung des jungen Virtuosen. Tosender Applaus (es hätte ruhig noch etwas mehr sein können) war der überaus verdiente Lohn.
Walzerseligkeit und Operette gehören zu Wien: "Dorfschwalben aus Österreich" ließ Johann Strauß Vater in weichen, strahlenden Schwüngen segeln, Franz Lehár steuerte das "Land des Lächelns" bei. In einer Suite der bekanntesten Lieder des Klassikers glänzten Flöten, Oboen und eine Solo-Geige aus dem Orchester.
Maurice Jarres Filmmusik zu "Dr. Schiwago" breitete ebenso üppige epische Bilder aus wie später John Barrys Abspann des Films "East of Africa". Zum zweiten großen Ereignis des Abends wurde - abermals durch Alexander Gilman - die "Méditation" aus Jules Massenets unsäglicher ägyptischer Oper "Thais".
Gilman gestaltete das populäre Salonstück vor dem Hintergrund von Harfe, Celli, Bratschen, Kontrabässen und den hinzutretenden Violinen zum Dahinschmelzen schön als ergreifenden Seufzer.
Nach Amerika! George Gershwin hatte dort das Hausrecht mit einer Suite aus "Porgy and Bess". Solo-Trompete, Oboen, Flöten und Streicher überzeugten.
Schließlich ein weiteres Mal Wien: elegant, beschwingt, angemessen, mit zarten Intermezzi majestätisch zelebrierten die Symphoniker zum guten Schluss den Kaiserwalzer von Johann Strauß Sohn.
Kein Neujahrskonzert ohne Zugabe: doch die Wahl des Filmthemas von "Schindlers Liste", noch einmal von Alexander Gilman berührend gegeben, zeigte im Kontext einer heiteren musikalischen Weltreise wenig Feingefühl.
Das gilt auch für den einem Feldmarschall gewidmeten anscheinend unverzichtbaren Mitklatsch-Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater. Leroy Andersons "Fiddle-Faddle" hingegen, ein Paradestück des Orchesters, machte gute Laune.
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