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  Archiv / Wermelskirchen

Artikel vom: 04.09.2008

Mütter rufen Selbsthilfegruppe ins Leben

Von Anja Carolina Siebel

"Es war oft ganz schön schwer", sagt Dominik Garcia (18) leise. Im Sommer hat er die Hauptschule abgeschlossen. Dominik war ein außergewöhnlicher Schüler. Bei Gruppenarbeiten saß er oft teilnahmslos am Rand. Er konnte nicht folgen, wenn andere diskutierten, machte "zu".

Dominik leidet seit seiner Geburt am Asperger-Syndrom, einer besonderen Form des Autismus. "Er war schon immer anders als andere", berichtet Susanne Reh, seine Mutter. Ihr Sohn hatte schon als Kind Wahrnehmungsstörungen, kaum Freunde und konnte mit Gefühlen nicht umgehen. "Von Pontius nach Pilatus" sei sie mit ihm gelaufen, um Hilfe zu bekommen, erzählt die Kinderkrankenschwester. "Niemand konnte uns sagen, was mit unserem Sohn los ist."

Vor allem Dominiks mündliche Schulnoten waren im unteren Bereich. Sich aktiv am Unterricht zu beteiligen - damit war er auch noch als Teenager überfordert. Erst vor fünf Monaten stellten Kinder- und Jugendpsychologen am Sana-Klinikum die Diagnose Asperger-Autismus. Eine Entwicklungsstörung, die sich unter anderem in Kommunikationsproblemen sowie verzögerter sprachlicher und motorischer Entwicklung äußert.

"Ich habe mich sofort an Dominiks Klassenlehrer gewendet", sagt Susanne Reh. Der habe versichert, insbesondere bei "Kopfnoten" Rücksicht auf die Krankheit zu nehmen. Reh: "Speziell in den Punkten Verantwortungsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit waren wir uns da einig."

Umso überraschter war die Mutter beim Blick aufs Abschlusszeugnis: Dominiks Verantwortungsbewusstsein und Kooperationsfähigkeit wurden mit "mangelhaft" bewertet.

"Wir haben die Bescheinigung über die Krankheit erst Anfang August bekommen", sagt dazu Gebhard Lehr, Rektor der Hauptschule. Er habe von der Erkrankung des Jungen auch erst zu diesem Zeitpunkt erfahren.

"Hätten wir früher davon gewusst, hätten wir genau prüfen müssen, inwieweit die Noten mit der Krankheit korrelieren", räumt der Pädagoge ein. "Aber so können wir nichts mehr machen." Susanne Reh fühlt sich allein gelassen. Dominik ist geknickt: "Ich dachte, wenigstens mein Lehrer würde zu mir halten."

Ute Gagaridis weiß um diese Probleme. Sie hat selber ein von Asperger-Autismus betroffenes Kind (heute 17) und gründet gerade eine Eltern-Selbsthilfegruppe. "Mein Sohn Manuel besuchte zwei Gymnasien, scheiterte aber nach der elften Klasse", erzählt die zweifache Mutter. "Insbesondere von den Lehrern fühlten wir uns völlig allein gelassen. Sie schienen genauso überfordert mit der Krankheit wie Manuel selbst."

Ihr Ziel sei deshalb, betroffenen Eltern eine Plattform zum Austausch zu geben und mehr Information über die Erkrankung an die Öffentlichkeit zu transportieren. Damit Kinder wie Dominik und Manuel künftig ein normales Leben führen können. Auch an einer Regelschule.

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