Kandidaten-Porträt: RGA sprach mit Jens Nettekoven (CDU)
Mit Jens Nettekoven (CDU) sprach der RGA über das DOC, Afghanistan, die Familie und seinen Lieblingsort. Jens Nettekoven ist sowohl ein politischer als auch ein Familienmensch. Das wird schon deutlich, wenn man sein schmuckes Haus im Zentrum Lüttringhausens betritt. Über der Glastür zum Wohnzimmer hängt ein Schild mit der Aufschrift "Eingang Südflügel".
"Das stammt aus dem alten Bundestag in Bonn", erläutert der Remscheider CDU-Landtagskandidat dem Besucher. Aber auch vor den kleinen Fotos fast direkt darunter bleibt er gerne stehen und erläutert sie. Eines zeigt seine Frau Barbara - damals hoch schwanger - auf dem Kölner Dom, ein weiteres Jens Nettekoven selbst als Kind mit seinem Opa im Kölner Zoo. Auf einem anderen sieht man ihn vor dem Hintergrund eines beeindruckenden Alpen-Panoramas.
Als Kind des Bonner Stadtteils Duisdorf, wo früher die meisten Bundesministerien ihren Standort hatten, sei das Interesse für Politik fast von selbst gekommen, sagt er. Noch immer erinnert er sich gerne an Staatsbesuche, wie den der englischen Queen.
Wahrscheinlich wäre alles ganz anders gekommen, und er wäre nie in Remscheid gelandet, hätte er nicht 1996 im Urlaub auf Mallorca seine heutige Ehefrau kennen gelernt. Acht Jahre später zog er nach Remscheid. Als Soldat sei er viel unterwegs und wollte deswegen "seine" Frau nicht aus ihrem gewohnten Umfeld reißen. Nettekoven: "Mir ist wichtig, dass meine Familie glücklich ist, dann bin auch ich glücklich."
Dass seine zweijährige Tochter Lisa oft zu öffentlichen Terminen mitkommt, sei keine Inszenierung. "Ich genieße es einfach, wenn sie dabei ist", sagt der 34-Jährige. Die Familie und die Politik könne er nicht trennen. Seine Frau sieht er als ruhenden Pol und Motivatorin zugleich.
Als Familienvater sieht er einen seiner politischen Schwerpunkte zwar auch in Zukunft in der Familienpolitik. Als gelernter Bauzeichner will er sich aber, wenn er in den Landtag kommt, auch in der Baupolitik engagieren. Die Politik sieht er als sein Hobby an. "Das muss Spaß machen", betont er, "obwohl man oft auch ein dickes Fell braucht."
Seine beruflichen Erfahrungen als Bundeswehr-Offizier machen sich nicht nur im Privatleben bemerkbar, wo alles gut organisiert sein muss, damit die beiden Nettekovens ihre jeweiligen Berufe mit dem Elterndasein vereinbaren können. Wie beim Militär seien auch in der Politik straffe Regeln nötig, sagt Nettekoven. Und in beiden Bereichen zahle es sich oft aus, wenn man das Ziel vorgibt und nicht immer auch gleich den detaillierten Weg, der dorthin führt.
Ein viereinhalbmonatiger dienstlicher Einsatz hat Jens Nettekoven in besonderem Maße geprägt: In Afghanistan musste er unter anderem miterleben, wie ein Leben ohne fließendes Wasser aussieht und wie Kinder eine Schule besuchen, die weder Tafeln noch Stühle oder Fensterscheiben hat. Trotzdem seien die Kinder glücklich gewesen. Das habe ihm gezeigt, dass viele Probleme, die in Europa diskutiert werden, Luxusprobleme seien.
Schnelle Hilfe mit einfachen Tafeln, Decken und Fensterscheiben
Zudem, so erklärt Nettekoven, habe er dort ganz deutlich erlebt, dass Handeln besser ist, als nur über Missstände zu reden. So habe seine Kompanie in Afghanistan zum Beispiel beim zweiten Besuch in besagter Schule mit einfachen Tafeln, Decken und Fensterscheiben ausgeholfen und so einiges bewirkt.
In die Politik ist Nettekoven gegangen, um sich nicht irgendwann selbst den Vorwurf machen zu müssen, es nicht zumindest versucht zu haben, einiges zu verbessern. Sein rasanter Aufstieg bei der Remscheider CDU - fast direkt nach seinem Umzug von Bonn wurde er Vorstandsmitglied der Jungen Union, sechs Jahre später bereits Kreisvorsitzender und jetzt sogar Landtagskandidat - war nicht geplant. Aber er entspricht seiner Einstellung: "Ziel eines Politikers muss es sein, das höchste Amt anzustreben. Wer nur das zweithöchste angestrebt, wird auch nur das zweithöchste erreichen."
Darum will er auch dazu beitragen, dass wieder mehr Remscheider von ihrer Stadt überzeugt sind. Dies gelte auch für die Bemühungen, das Designer-Outlet-Center an die Blume zu bekommen. Wer nicht daran glaube, erreiche auch nichts.
Eines will sich Nettekoven aber im Falle seiner Wahl in den Landtag nicht nehmen lassen: Er will einen Tag in der Woche für seine Familie und sein "Haus am See"- so nennt er das Eigenheim mit Teich und darüber "schwebender" Massivholz-Terrasse - da sein. Nicht nur das Zusammensein mit Lisa und Frau Barbara bedeutet für ihn Erholung. Auch im Garten, beim Rasen mähen, Unkraut zupfen oder Holz hacken könne er sich entspannen. Für Jens Nettekoven ist dies nicht nur ein Rückzugsort, sondern auch sein "Lieblingsplatz".
ZUR PERSON
PRIVAT Jens Nettekoven (34) wurde in Bonn geboren. Seit 2004 lebt er in Lüttringhausen. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.
BERUF Nettekoven ist gelernter Bauzeichner. Seit 1998 ist er Soldat bei der Bundeswehr. Dort absolvierte er erfolgreich ein Studium der Betriebswirtschaft und schlug die Offizierslaufbahn ein.
POLITIK 2004 wählte ihn die Junge Union Remscheid zu ihrem Medienreferenten. Seit 2010 ist Nettekoven Kreisvorsitzender der CDU. Seit 2009 ist er Mitglied des städtischen Ausschusses für Bauen und Denkmalpflege.