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26.04.2012 02:14

Schützen sieben Waffennarren frühzeitig aus

Von Axel Richter

Noch einmal atmet der Schütze aus, sein Auge erfasst das Ziel. Alle Konzentration gilt jetzt dem einen Muskel im Finger der rechten Hand... Das Schießen hat etwas Meditatives, weiß Christof Lange. Dabei haftet seinem Sport ein Makel an. Denn heute vor zehn Jahren, am 26. April 2002, war es ein Sportschütze, der an einem Erfurter Gymnasium ein Blutbad anrichtet:

Der Schüler Robert Steinhäuser erschießt an diesem Tag 16 Menschen und richtet sich anschließend selbst.

"Wer nach den bekannten Kalibern aus den Actionfilmen fragt, wird gleich aussortiert."

Christof Lange, Vorsitzender des Remscheider Schützenvereins von 1816 korp.

Die Wahnsinnstat und der sieben Jahre später folgende Amoklauf von Winnenden hefteten dem Schießsport einen ewigen Makel an, weiß Christof Lange, Vorsitzender des Remscheider Schützenvereins von 1816 korp. Mit einem Mal blieb der Nachwuchs aus. Viele Eltern, sagt Lange, wollten ihre Kinder nicht in die Hände von "Waffennarren" geben.

Dabei gebe es davon nicht einen in den Reihen der 60 Aktiven im 200 Mitglieder zählenden Remscheider Schützenverein, sagt Lange. Im Gegenteil: "Wer nach den bekannten Kalibern aus Actionfilmen fragt, wird gleich aussortiert."

Für die Menschen entwickeln die Schießsportler ein feines Gespür. Und wissen doch, dass sie ihren Vereinskameraden, zumal wenn sie neu sind, immer nur vor den Kopf gucken können.

Immerhin aber lasse sich der Verein viel Zeit, die Neuen im Verein kennenzulernen, sagt der Vorsitzende. Der jugendliche Nachwuchs - die aktuelle Jugendabteilung zählt zehn Mitglieder - fange mit der Luftpistole oder dem -gewehr an.

Schießen lässt es sich bei den Remscheider Schützen aber auch mit dem Kleinkalibergewehr oder mit der 9-Millimeter-Pistole. Der Verein mit Domizil im Remscheider Schützenhaus bietet auf seinen Schießbahnen im Keller des Schützenhauses alle olympischen Wettkampfdisziplinen an.

Waffen und Munition lagern weiter bei den Schützen daheim

Die Auflagen zum Erwerb und Besitz verschärfte der Gesetzgeber nach den Amokläufen deutlich. Bei einem Risiko aber blieb es: Waffen und Munition lagern die Schützen - unter strengen Auflagen zwar - immer noch zuhause. Christoph Lange hält das dennoch für richtig. Denn abgesehen davon, dass er nicht wüsste, wohin mit den Waffen: Würden sie in "seinem" Schützenhaus lagern, wüssten die Einbrecher nur, wo sie fündig werden, sagt er.

Zudem: Bevor sein Verein den Erwerb einer eigenen Schusswaffe befürworte, ginge weit mehr Zeit ins Land als die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen zwölf Monate der Vereinszugehörigkeit.

Schließlich soll das Schießen für Christoph Lange und seine Schützen bleiben, weshalb sie es einst begonnen haben: Ein meditativer, entspannender, zugleich aber äußerst anspruchsvoller Sport. Und kein Freibrief, um an ein tödliches Werkzeug zu kommen.

  • www.remscheider-schuetzenverein.de

 

SCHÜTZEN-INFOS

WAFFEN Im bergischen Großstädtedreieck sind derzeit knapp 9000 Waffenbesitzkarten ausgestellt. Die überwiegende Mehrheit der Besitzer sind Jäger und Sportschützen.

SPORTSCHÜTZEN Bevor ein Sportschütze zur Ausübung seines Sports eine eigene Schusswaffe erwerben darf, muss er mindestens zwölf Monate Mitglied eines Schützenvereins sein und seinen Sport regelmäßig ausüben. Der Verein muss den Erwerb befürworten. Die Polizei kontrolliert alle drei Jahre die Zuverlässigkeit und persönliche Eignung des Schützen.



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