Orchester überrascht beim Konzert mit einer Protestaktion
Von Anne-Kathrin Reif
Fulminant endet nach der Pause der erste Satz von Robert Schumanns vierter Sinfonie. Doch statt des üblichen kurzen Blätterns und Räusperns verharren Musiker und Dirigent - den Taktstock wie ein Florett in die Luft gestochen - reglos in "eingefrorener" Bewegung. Stille. Kein Ton. Sogar die Konzertbesucher vergessen das obligate Hüsteln und halten den Atem an.
"Meine Damen und Herren, so klingt es, wenn ein Orchester nicht spielt", wendet sich GMD Peter Kuhn schließlich ans Publikum. Und fordert es - in Anspielung auf den Bestseller-Titel von Stéphane Hessel - auf: "Empört euch mit uns, empört euch für uns." Damit die zuständigen Politiker begreifen würden, dass die Frage nicht lauten muss: "Können wir uns ein Orchester leisten?" Sondern: "Können wir es uns leisten, kein Orchester zu haben?" Und das Publikum im ausverkauften Teo Otto Theater zeigt nicht nur Verständnis für die ungewöhnliche Demonstration - es quittiert ihn mit lang anhaltendem Applaus im Stehen.
Angesprochene Politiker erlebten die Demonstration nicht mit
Die eigentlichen Adressaten freilich waren nicht zugegen: Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann (CDU) hatte sich aufgrund noch zu erledigender Arbeit nach der ersten Konzerthälfte verabschiedet. Oberbürgermeisterin Beate Wilding (SPD) war wie üblich gar nicht erst erschienen.
Umso größer war die Unterstützung von Seiten des Publikums. Ungläubig staunte eine Dame an der Kasse: "Wie - es gibt keine Karte mehr? Das hat es doch noch nie gegeben." Doch bei diesem Philharmonischen Konzert am Mittwochabend war schon jeder Platz besetzt.
Nicht nur das publikumswirksame "romantische" Programm mit Brahms und Schumann und Starpianist Bernd Glemser hatte die zahlreichen Zuhörer angelockt. Für viele war der Besuch auch eine Solidaritätsbekundung für das akut in der Existenz bedrohte Orchester. Noch bevor der erste Ton erklungen war, hatten die Besucher schon mit anhaltendem Applaus Zuspruch für die Musiker demonstriert.
Auch Romely Pfund hatte es sich nicht nehmen lassen, "ihr" früheres Orchester mit ihrem Besuch zu unterstützen. "Ich fühle mich den Symphonikern immer noch sehr verbunden", sagte die ehemalige Generalmusikdirektorin. "Es ist eine Freude, zu sehen, was hier geleistet wird", betonte Pfund, die das Konzert schon tags zuvor in Solingen besucht hatte. "Ich kann nur hoffen, dass man alles noch mal überdenkt."
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