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26.04.2012 02:14

Rader Rechtsextreme im Polizei-Visier

Von Axel Richter

Zoom Ein ehemaliger Trakt der alten Dahlhausener Textilfirma Hardt & Pocorny gilt als Treffpunkt der rechtsextremen Szene in Radevormwald. Hier schlug die Polizei am frühen Mittwochmorgen zu und stieß nicht nur auf üble Propaganda-Schmierereien. Ein ganzes Waffendepot wurde bei diversen Hausdurchsuchungen gefunden. Den Mitgliedern des "Freundeskreises Rade" wird die Gründung einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt. Zudem soll es Verbindungen zu der rechtspopulistischen Vereinigung "pro NRW" geben. Foto: Michael Sieber

Radevormwald. Die Männer in der grünen Kampfmontur fackeln nicht lange. Schwer bewaffnet stürmten sie am frühen Morgen die Wohnung des jungen Radevormwalders. Er gilt als der gefährlichste Kandidat, den Polizei und Staatsschutz gestern in Rade festzunehmen hatten. Doch der schlaftrunkene Mann lässt sich widerstandslos festnehmen.

Das gilt ebenso für zwei weitere Männer, die die Polizei bereits per Haftbefehl gesucht hatte, sowie für ein Dutzend andere Radevormwalder, deren Wohnungen die Polizei gestern durchsuchte. Sie sollen dem "Freundeskreis Rade" angehören - laut den Ermittlern eine rechtsextreme Vereinigung, die nach Beobachtungen schwerpunktmäßig in den Wupperorten aktiv ist.

Der Vorwurf: Gründung einer
kriminellen Vereinigung

Polizei und Staatsanwalt werfen den insgesamt 18 "Freunden" im Alter von 18 bis 24 Jahren die Gründung einer kriminellen Vereinigung vor.

Dazu sollen sie gute Kontakte unterhalten zu der im Rader Stadtrat vertretenen, vom Verfassungsschutz als rechtsextrem beobachteten Kleinpartei "pro NRW".

In deren Fraktionsbüro in der Burgstraße seien "Mitglieder des Freundeskreises gewissermaßen ein- und ausgegangen", sagt der Kölner Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn, der den Einsatz von 100 Polizisten gegen die Rechten gestern koordinierte. Auch das Fraktionsbüro von "pro NRW" an der Burgstraße wurde deshalb durchsucht.

"In bis zu 30 Einzelermittlungen ist deutlich geworden, dass wir es mit einer Gruppe junger Männer zu tun haben, die seit Jahren tendenziell rechtsextreme Inhalte verbreitet", erklärt der Chefermittler.

Neben Schmierereien und Klebeaktionen auf Rader Straßen sollen etliche Gewalttaten auf das Konto der Männer gehen. Unter anderem seien sie gezielt gegen Mitglieder des Runden Tisches gegen Rechts angegangen, erklärt Willuhn.

Auf der Jagd nach den führenden Köpfen des "Freundeskreises" stand die Polizei gestern zeitgleich um 5 Uhr früh vor 22 Objekten. In Wuppertal durchsuchte sie drei, in Essen und Düsseldorf je eine Wohnung. Die übrigen 17 befinden sich in Radevormwald.

Und die Polizei wird darin fündig. Unter anderem stellen die Ermittler ein Jagdgewehr, diverse Messer und Wurfsterne, also verbotene Gegenstände, sowie Fahnen, T-Shirts und anderes rechtsextremes Propagandamaterial sicher. Bei zwei Festgenommenen finden die Ermittler zudem Mitgliedsausweise der Partei "pro NRW".

Die Auswertung des
Datenmaterials braucht Zeit

Ob für das Jagdgewehr nicht doch eine Erlaubnis vorliegt, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen, sagt der Kölner Polizeisprecher André Faßbender. Auch die Auswertung des Datenmaterials, das die Beamten gestern aus dem Büro der Pro-Partei in der Burgstraße trugen, werde Zeit brauchen.

Der Verdacht gegen die Splitterpartei wiegt derweil schwer. "Wir haben Hinweise darauf, dass die Gruppe in dem Fraktionsbüro Zugriff auf sachliche und finanzielle Mittel der Partei hatte", sagt Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn. Unter anderem soll der Freundeskreis den Kopierer benutzt haben, um seine Flugblätter zu vervielfältigen.

Wie der RGA derweil aus zuverlässiger Quelle erfuhr, richten sich Ermittlungen der Polizei auch gegen das Rader Ratsmitglied Tobias Ronsdorf. Auch er hatte gestern um 5 Uhr früh überraschenden Besuch von der Polizei erhalten.

Ratsmitglied steht
unter Verdacht

Der Volksvertreter zählt nicht zu den drei in Rade Festgenommenen, allerdings verdächtigen die Staatsanwälte auch ihn der Mitgliedschaft in der mutmaßlichen kriminellen Vereinigung.

Für seinen jüngeren Bruder nehmen sie das derweil sicher an. Er ist einer der drei Rader "Freunde", die gestern vorläufig in U-Haft gerieten.



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