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 Bergisches Land

"Die Leiden des jungen Werthers" als Einpersonenstück

Von Frank Becker

Remscheid. "Sie stand auf ihren Ellenbogen gestützt; ihr Blick durchdrang die Gegend, sie sah gen Himmel und auf mich, ich sah ihr Auge thränenvoll, sie legte ihre Hand auf die meinige und sagte: 'Klopstock!'.

" Diese Zeilen, eine der wohl berühmtesten und berührendsten Stellen der Weltliteratur, finden sich noch recht zu Beginn von Goethes ergreifendem Entwicklungsroman "Die Leiden des jungen Werthers", der 1774 zu einem der erfolgreichsten und folgenreichsten Romanstoffe Goethes, einem geradezu ein Werther-Fieber auslösenden Bestseller wurde.

Dieses Interesse erlosch nicht etwa mit der Ablösung des Sturm und Drang, es wirkte bis weit ins 19. Jahrhundert, an dessen Ende Jules Massenet den Stoff in eine Oper übertrug, die 1892 uraufgeführt wurde. Auch Thomas Manns Roman "Lotte in Weimar" geht auf Goethes Werther zurück, und Ulrich Plenzdorfs "Die neuen Leiden des jungen W." arbeitete das literarische Kunstwerk 1972, als rund 200 Jahre nach dem Erstdruck des Originals zu einem der erfolgreichsten Bücher der zeitgenössischen DDR-Literatur um. Verfilmungen und Bühnenbearbeitungen schlossen sich in Vielzahl an.

Helmut Pock, Bühnenbildner und Regisseur mit Theaterwurzeln unter anderem in Zwickau, Schwedt, Halle, Zeitz und Gera, ist WTT-Intendant Wolfgang Eysold durch manche berufliche Begegnung verbunden. 2008 baute er beispielsweise für Eysolds Inszenierung von Beat Fähs "Rose und Regen, Schwert und Wunde - Ein Sommernachtstraum" die Bühne.

Das Angebot, den Werther am WTT zu inszenieren und auszustatten, nahm Helmut Pock mit großem Vergnügen an, ist ihm doch der Werther nicht erst seit der Fassung Joachim Meyerhoffs ein Anliegen.Für die Inszenierung des Romans als Einpersonenstück war keine Suche nach einem Werther nötig: Ensemblemitglied Thomas Ritzinger ist, das darf man in Kenntnis seiner Fähigkeiten und nach einer Sichtprobe getrost behaupten, die ideale Besetzung.

Pock hat weder die Sprache Goethes noch die Abfolge angetastet, den Roman lediglich bühnentauglich auf 90 Minuten so gestrafft, dass diese "Generalbeichte" Goethes den jugendlich Aufschäumenden, den Narziss und tragischen Antihelden greifbar portraitiert.

Ritzinger: "Die Sprache Goethes, besonders in der Strichfassung, habe ich als überraschend leicht empfunden." Dass Werther, ein verliebter junger Mann der leichten, bisweilen euphorischen Lebensart, jedoch auch der dramatischen, fatalen Konsequenz ist, wird Thomas Ritzinger am Samstag bei der Premiere im WTT zeigen. Der blaue Frack und die gelbe Weste sind natürlich auch dabei.


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Artikel vom: 10.03.2010  
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