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Gute Idee braucht mehr Zeit

Von Karsten Mittelstädt

"Ein Auto zu verkaufen ist leichter." Auch wenn es zehn Mal so teuer ist wie ein Platz im Kolumbarium. Zu dieser Erkenntnis ist Elvira Persian gekommen, nachdem das Ziel nicht erreicht wurde, 80 bis 100 Urnenplätze zu verkaufen, um den Umbau der Johanniskirche in ein Kolumbarium zu finanzieren.

Bis Ende März hatte sich die Kirchengemeinde Zeit gegeben, entsprechende Interessenten zu finden. "30 verbindliche Absichtserklärungen haben wir bekommen", sagte Pfarrer Martin Haupt-Schott. Dennoch lässt das Presbyterium das Vorhaben nicht fallen - aus gutem Grund. "Wir haben fast immer nur positive Reaktionen und viel Wertschätzung erfahren, wenn das Kolumbarium vorgestellt wurde", erklärte Haupt-Schott. Die Einrichtung einer Urnengrabstätte in der Kirche ist für viele Menschen eine angemessene Nachfolgenutzung des Gebäudes.

Grundsätzlich wächst das Interesse der Menschen an Urnengräbern. Dennoch war die Nachfrage nach dem Kolumbarium zu gering, als dass die Kirchengemeinde das finanzielle Risiko eingehen könnte. "Wir haben daraus gelernt", so Haupt-Schott. Mit dem geplanten Kolumbarium ist das Nachdenken über den eigenen Tod, das Sterben und Begräbnis eng verbunden. Ein Thema, das viele Menschen zunächst von sich schieben. "Man braucht Zeit und vor allem persönlichen Kontakt, um sich damit auseinanderzusetzen", sagt Elvira Persian.

Die stellvertretende Presbyteriumsvorsitzende kümmert sich um das Projekt Kolumbarium. Auf der Internet-Homepage oder mit Flyern dafür zu werben, reiche nicht. "Man muss persönlich erklären, worum es geht", so Elvira Persian.

Weil es kaum Ablehnung oder Kritik an der Idee des Kolumbariums gab, "verlängern wir die Frist bis September dieses Jahres", sagt Haupt-Schott. Bis dahin soll mit verschiedenen Aktionen auf das geplante Kolumbarium aufmerksam gemacht werden. So werden Mitglieder des Presbyteriums auf dem Wochenmarkt einen Infostand aufbauen.

Das Thema wird im Presbyterium selbst durchaus unterschiedlich gesehen, insgesamt aber hofft man, dass bis zum Herbst die notwendigen 80 Unterschriften vorliegen. Denn die Beispiele bereits bestehender Kolumbarien in Aachen und demnächst in Dortmund haben gezeigt: Solche besonderen Grabstätten in Kirchen können zum Selbstläufer werden. "Wenn die Menschen erst davorstehen und die Grabstätten mit eigenen Augen sehen können, steigt die Nachfrage", ist sich Haupt-Schott fast sicher. Aber eine Garantie bekommt die Kirchengemeinde nicht.



Kolumbarium

- Johanniskirche: Wurde 1837 erbaut und soll wegen der hohen Unterhaltungskosten kostendeckend als Kolumbarium betrieben werden.

- Grabstätte: Um den Umbau in eine Grabstätte für Urnengräber finanzieren zu können, müssen mindestens 80 Urnenplätze zu je 1 800 Euro verkauft werden. Die Ruhezeit beträgt 20 Jahre und beginnt mit der Beisetzung.



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Artikel vom: 11.03.2010  
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