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Radevormwald
Tieflader im Naturschutzgebiet Wiebachtal
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Der Waldbesitzer verteidigt sich und verweist auf die geltende Rechtslage. Von Frank Michalczak "Mit gesundem Menschenverstand ist das nicht zu erklären", erklärt Bernd Hoge (45) bei einem Spaziergang von Ispingrade ins Wiebachtal.
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Der Marsch ist mühselig. Hoge versinkt knöcheltief im Schlamm, wo eigentlich einmal ein Wanderweg war. Der Pfad durch den Wald, an Feldern entlang, ist kaum noch zu erkennen, nachdem im Winter immer wieder tonnenschwere Lkw durch das schmale Ispingrade ins Wiebachtal fuhren - und den Weg in eine Morastlandschaft verwandelten.
Die Lastwagen transportierten jede Menge Holz ab. Zahlreiche Fichten und auch Laubbäume seien in den vergangenen Monaten gefällt worden. Ein Eingriff in die Natur, der für den Vater zweier Töchter völlig unverständlich ist. "Es ist ja gut und schön, dass man die Folgen von Kyrill beseitigen will. Aber unabhängig davon sind mittlerweile regelrechte Schneisen in der Landschaft entstanden - und das in einem Naturschutzgebiet", bedauert der 45-Jährige, der seit seiner Jugend das Wiebachtal kennt und sich um die grüne Lebensader zwischen Ispingrade und Heide sorgt.
Das Gebiet ist seit November 2006 im Besitz eines belgischen Investors. Guido Schneider hatte das Wiebachtal damals vom Land Nordrhein-Westfalen erworben - und bewirtschaftet es nun seit zweieinhalb Jahren. Und das fachmännisch, wie er betont. "Der Wald muss durchforstet werden. Wenn Bäume gefällt werden, entsteht Platz, damit neue nachwachsen können." Das gehe schneller, als es sich Laien denken: "Dazu sind vielleicht vier Jahre nötig."
Schneider kann die Kritik der Anwohner nicht nachvollziehen. "Ich diktiere ihnen ja auch nicht, was sie in ihrem Garten anpflanzen sollen", erklärt der Waldbesitzer. Zudem werde er die Wanderwege wieder herrichten lassen. Dann, wenn das Wetter wärmer und trockener geworden ist. "Aber eigentlich müsste ich es nicht." Schließlich sei es sein Grund und Boden.
Fahrzeuge waren zu groß für den Ortskern Ein Grund und Boden, mit dem sich schon die Bezirksregierung in Köln und das NRW-Umweltministerium befassten - in einem ganz anderen Zusammenhang. Im Zuge der Unterschutzstellung des Wiebachtals war es den Mädchen und Jungen des Lore-Agnes-Kindergartens zwischenzeitlich untersagt worden, durch das Tal zu spazieren - und dort ihren "Waldtag" zu erleben.
"Das ist für mich der Gipfel", schimpft Bernd Hoge. "Kinder durften nicht in den Wald. Auf der anderen Seite rücken hier Tieflader und Bagger an." "Mit gesundem Menschenverstand ist das nicht zu erklären." Bernd Hoge, Anwohner Die sorgten auch in der Ispingrader Nachbarschaft für wenig Begeisterung. Die mächtigen Fahrzeuge hätten sich durch den engen Ortskern gequält. Abgestellte Autos mussten an eine andere Stelle gefahren werden. "Wir hatten das Ordnungsamt hier", berichtet Hoge.
Das bestätigt der zuständige Fachbereichsleiter Dietmar Reuß, der mit seinen Kollegen dafür sorgen musste, dass die Lkw durch Ispingrade fahren konnten. "Denn der Waldbesitzer muss ja schließlich in die Lage versetzt werden, sein Holz abzutransportieren. Es ist nun einmal eine sperrige Angelegenheit." Wie Reuß hinzufügt, sei aber zwischenzeitlich auch die Untere Wasserschutzbehörde eingeschaltet worden, weil die schweren Geräte Beschädigungen an einem Bachlauf angerichtet hätten. "Da ist auch Diesel ausgelaufen", fügt Hoge hinzu, der fragt: "Wer kontrolliert das eigentlich alles?"
Dafür wiederum sind zwei Behörden zuständig. Da wäre zum einen das Forstamt Bergisches Land, wo Fachgebietsleiter Hermann Fröhlingsdorf Auskunft gibt. "Das Thema ist bei uns ziemlich bekannt", erklärt er: "Grundsätzlich sind im Wiebachtal Kahlschläge von zwei Hektar genehmigungsfrei. Darüber hinaus muss der Waldbesitzer eine Erlaubnis einholen." Das werde regelmäig kontrolliert.
"Kinder durften nicht in den Wald. Auf der anderen Seite rücken hier Tieflader und Bagger an." Bernd Hoge Weitere Überprüfungen seien ein Fall für die Untere Landschaftsbehörde, die in Gummersbach beim Oberbergischen Kreis beheimatet ist. Umwelt-Dezernent Dr. Christian Dickschen hebt hervor, dass "sehr wohl von uns kontrolliert wird". Dezernent Dickschen: "Er darf dort Bäume fällen." "Allerdings verfügen wir nicht über das Personal, um immer flächendeckend vorgehen zu können."
Er verweist darauf, dass es im Vorfeld der Baumfällarbeiten "längere Gespräche" mit Naturschützern, dem Waldbesitzer und der Forstverwaltung gegeben habe. "Und er darf dort Bäume fällen. Das Wiebachtal ist zwar ein Naturschutzgebiet - aber eines, in dem Holzbewirtschaftung möglich ist." Und wenn dabei Schäden in der Natur entstehen, dann müsse unterschieden werden - "in vermeidbare und unvermeidbare".
Grundsätzlich, so Dr. Dickschen, nehme seine Behörde Hinweise aus der Bevölkerung entgegen. "Und diesen gehen wir auf den Grund." Als Ersatz will Schneider Laubbäume pflanzen Waldbesitzer Schneider ist an all diese Diskussionen gewöhnt, wie er sagt. Er bewirtschaftet mehrere Flächen und kennt die "Kritik von Laien". Die Bäume aus dem Wiebachtal landen übrigens im Sägewerk oder werden zu Brennholz oder Bretterbalken verarbeitet. Zudem habe er mit der Stadt Hückeswagen, auf deren Gebiet sich Teile seines Besitzes befinden, eine Vereinbarung getroffen, nach der Fällaktion Laubbäume als Ersatz anzupflanzen. Mit Radevormwald gebe es eine derartige Vereinbarung nicht.
Zunächst seien die Arbeiten im Wiebachtal beendet. Aber die Tieflader kehren garantiert wieder zurück. "Eine Saison", so Schneider, "gibt es nicht mehr. Wir dürfen vom 1. Januar bis 31. Dezember arbeiten."
Bernd Hoge und die Nachbarn in Ispingrade werden also weiter mit den Lastwagen leben müssen, die Holz aus dem Naturschutzgebiet holen. "Manches", so wiederholt er, "ist eben mit gesundem Menschenverstand nicht zu erklären."
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