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 Wermelskirchen

Lösung für Fassade ist in Sicht

Von Andreas Weber

Es gibt Wermelskirchener, die sich kaum noch an ein Bürgerzentrum ohne Gerüst erinnern können. Seit mehr als viereinhalb Jahren besteht die Baustelle mitten im Stadtzentrum. Am Nachmittag des 15. Juli 2005, einem Freitag, baten Bürgermeister Eric Weik und Stadtcafé-Inhaber Peter Preuß die Gäste in der Außengastronomie, ihre Plätze aus Sicherheitsgründen zu verlassen.

Die Marmorplatten an der Fassade waren als nicht mehr sicher eingestuft worden.Seither wird überlegt und liegt die Sanierung auf Eis. Nicht einmal die Voruntersuchungen sind abgeschlossen. 2008 hatte die Stadt die "E.ON-Ruhrgas" gebeten, im Rahmen ihres kostenlosen Programms für Kommunen die Energie-Effizienz des Bürgerzentrums zu überprüfen. Erwartet worden waren Aussagen zu Heizung, Fenstern, zur Dach- und insbesondere Außendämmung. Erst im Herbst 2009 begann das Unternehmen mit der Prüfung, Mitte Januar fand die Thermografie statt.

Das Ergebnis ernüchterte. "Denn der Bericht bezieht sich nicht auf die mit uns abgestimmten Bauteile und Prüfinhalte", kritisiert die Verwaltung in der Sitzungsvorlage. Darauf könne nicht aufgebaut werden, weil kein kompletter Check stattgefunden, sondern der Konzern nur die Heizung untersucht habe.

Die Stadt ist kein Stück vorwärts gekommen, sieht sich aber mit explodierenden Kosten konfrontiert. Im Haushalt hat die Verwaltung Rückstellungen von 3,4 Millionen Euro für die Fassadensanierung gebildet. Eine Summe, die bei weitem nicht ausreichen wird, um Bürgerzentrum und Rathaus auf Vordermann zu bringen. Nach seinem Sachstandsbericht im Rat hatte der den Technischen Beigeordneten gefragt, was auf die Stadt zukäme. "10 bis 15 Millionen", entgegnete Dr. André Benedict Prusa. "Euro?", schallte es ungläubig aus dem Saal zurück. Prusa nickte.

Zwei Modelle hatte er zuvor in der Sitzungsvorlage angeschnitten, um den quälenden Stillstand zu beenden. Nr. 1 wäre das herkömmliche: umgehende Bildung eines Arbeitskreises "Fassade Bürgerzentrum", Ratsentscheidung (Ende Mai), Auslobung der Arbeiten, Entwurfsplanung, Auftragsvergabe (Januar 2012), Baubeginn (15. März 2012) und Fertigstellung Ende August 2012. Prusa hält diesen Weg aus besagten Kostengründen für nicht gangbar.

Stattdessen tendiert er zu Lösung 2: dem Energieeinspar-Contracting. Der Vorschlag seines Dezernates ist, das Bürgerzentrum in einen Top-30-Pool der verbrauchsstärksten städtischen Gebäude - wie Bäder, Schulen, Krankenhaus - zu packen und diese im Rahmen eines Wettbewerbs an einen Bieter für einen Zeitraum von 7 bis 12 Jahren (üblich sind 10) abzutreten. Auf diese Weise könne es gelingen, die horrenden Kosten für die Fassadensanierung im Gesamtpaket "zu verstecken".

Energie-Automatisierer betreuen heute sämtliche Liegenschaften Berlins und einen Großteil der Bundesliegenschaften. Immer mehr entdecken solche Unternehmen auch Städte mittlerer Größenordnung. Es sind Anbieter, die alle Module für ein optimales Energiemanagement vorhalten. Mit dem Einsparpotenzial, das beim Heizen zum Beispiel bis zu 35 Prozent liegen kann, machen sie ihren Profit.

Quer durch die Reihen der Fraktionen klopften Ratsmitglieder bei dieser Nachricht anerkennend auf die Tische. Die WNK-UWG-Fraktion jubelte sogar. Nicht nur, weil sie diese Contracting-Idee schon vor Jahren ins Rennen gebracht hatte, das Amt für Gebäudewirtschaft diese damals aber als unattraktiv verworfen hatte. Unter anderen Vorzeichen, wohlgemerkt, weil nur auf ein sogenanntes Anlagen-Contracting abzielend.

Ab Juli soll der Contracting-Wettbewerb vorbereitet, im Januar 2011 von der Stadt eröffnet werden, um dann im Juli 2011 die Entscheidung für einen Bieter treffen und einen Vertrag schließen zu können. Dieser könnte, so hält Prusa in einem groben Zeitplan fest, danach mit seiner Feinanalyse der übernommenen Geb„ude beginnen und im Sommer 2012 voll in die Umsetzung einsteigen.


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Artikel vom: 10.03.2010  
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