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Wermelskirchen
Aus dem Schatten ins Licht
Von Thomas Wintgen
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"30 bis 40 Jahre", sagt Dr. Hans-Gerd Schöneweiß auf die Frage, wie lange er sich für den Taufstein der evangelischen Stadtkirche interessiere. Das liegt unter anderem daran, dass der 85-Jährige mehrere Wahlperioden Mitglied des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen war.
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Und hautnah mitbekam, wie der nach dem Neubau der Stadtkirche (1838) ausrangierte, zumal kaputte Taufstein ans Tageslicht, das heißt ins Bewusstsein der Gemeinde - oder, zunächst einiger Gemeindeglieder rückte.
Eine Zeit lang war der Taufstein - ohne Fuß, ein Kopf kaputt - gar nicht im Besitz der Gemeinde, sondern verbrachte sein Dasein als Springbrunnen im Garten der Familie Schumacher. Dr. Friedrich Schumacher schrieb 1932 an die Gemeinde, dass die Familie den Taufstein anlässlich der für 1938 geplanten 100-Jahr-Feier der Stadtkirche zurückgeben wolle.
Freilich mochte sich zunächst niemand so recht für den Stein interessieren; der verbrachte ein Schattendasein, und lange Zeit nahm später die Diskussion in Anspruch, was aus ihm werden solle, und wie viel Geld die Gemeinde dafür in die Hand nehmen müsse.
Die Restauration endete 2001 mit dem von Wolf Münninghoff gestalteten Fuß für den aus dem tiefen Mittelalter stammenden Ring des Taufsteins.
"Das Interessante ist", sagt Dr. Hans-Gerd Schöneweiß, "dass das Becken aus Trachyt ist - aus einem von den Römern genutzten Steinbruch am Siebengebirge."
Weil aus diesem Stein auch der Kölner Dom gebaut worden sei, ist dieser Steinbruch mit Fertigstellung des Doms restlos ausgeräumt gewesen und geschlossen worden.
Die künstlerischen Formen des Taufsteins sind aus einem Stein, der in der Nähe von Namur in Belgien gewonnen wird und "Namur-Stein" heißt. Diesen verwendete Münninghoff auch für den Sockel.
Schöneweiß hat eine Reihe von Taufsteinen aus Namur-Stein in der Region besichtigt, darunter in der Antoniterkirche und im Schnütgen-Museum (jeweils Köln) sowie in Kürten.
Der Taufstein ist viel größer als heute nötig wäre. Schöneweiß erklärt das mit der vormaligen Praxis, Kinder ganz ins Taufwasser einzutauchen.
Dass der Taufstein kaputt war, als ihn einige Presbyter (und Pfarrer und der Küster) aus der Erinnerung holten, führt der Autor darauf zurück, dass beim Brand der Kirche 1756 ein Teil des Kirchendachs einstürzte.
Ausführlich hat er sich auch mit der künstlerischen Gestaltung des Rings beschäftigt, aus der die vier Köpfe hervor ragen. Die Darstellung dieser Köpfe sei "überall sehr ähnlich", entstammten vorchristlichen, altkeltischen Vorstellungen und sei zum Beispiel an verschiedenen Wassergefäßen gefunden worden.
Im Dom zu Hildesheim, weiß Schöneweiß, gebe es ein bronzenes Taufbecken mit vier Köpfen; dort sei daran geschrieben, was sie bedeuten: vier paradiesische Flüsse - Euphrat und drei andere - oder, im übertragenen Sinne, womöglich das Paradies.
"In alten Zeiten wurde die Kirche oft mit dem Paradies gleich gesetzt", weiß Dr. Schöneweiß - in dem Sinne, dass "der Mensch mit dem Eintritt in die Kirche, also mit der Taufe, das Paradies betrete".
Alternativ könnten mit den vier Köpfen die Evangelisten gemeint sein - auch diese Deutung würde auf keltische Vorbilder zurückgehen. Der Taufstein-Experte schließt nicht aus, dass "auch - in mehrfacher
Symbolik - beides gleichzeitig gemeint war".
Das Alter des Taufsteins datiert Dr. Schöneweiß auf 1180, also das Baujahr des Unterteils des Turms. Während die Michaelskapelle das älteste Gebäude der Stadt ist, wäre der Taufstein damit das mit Abstand älteste Kunstwerk.
Einzelne Presbyter haben sich darum verdient gemacht neben Schöneweiß, der schon einmal einen Vortrag ausgearbeitet und im Gemeindebrief berichtet hat. Und der auf Gustav Paetzer verweist, der ebenfalls zu dem Thema veröffentlicht hat.
Die Stadtkirche in Wermelskirchen" heißt die Broschüre, in der neben dem Taufstein-Artikel Rosemarie Fischer über "die neue Stadtkirche seit 2002" schreibt und Johannes Meyer über "die Peter-Orgel von 1969". Die Broschüre gibt es im Gemeindeamt (2,50 Euro).
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