Unser Star im ESC-Casting
Von Kerstin Neuser
Wenn heute abend in Baku die Wertungen für den Eurovision Song Contest (ESC) einlaufen, dann drückt auch Hanno Busch dem deutschen Starter Roman Lob ganz fest die Daumen für "Twelve Points". Von der ersten Castingshow an hat der gebürtige Remscheider den Werdegang unseres "Stars für Baku" aus allernächster Nähe verfolgt und mitgestaltet:
Busch spielt bei den "Heavytones", die als Studioband nicht nur Stefan Raabs "TV total" begleiten, sondern eben auch das musikalische Rückgrat von "Unser Star für Baku" waren. Seit 2007 ist Busch als studierter Jazz-Gitarrist bei den Heavytones fest engagiert.
Begonnen hat alles im elterlichen Pfarr-Haushalt in Reinshagen: "Musik hat in unserer Familie immer eine wichtige Rolle gespielt." Lange probierte Busch sich als Autodidakt, klampfte vor sich hin - "und ich dachte tatsächlich, dass ich alle Akkorde kann". Bis er dann mit 14 seine erste Gitarrenstunde bei Thomas Brill hatte. Ein Nachbar hatte den "coolen Gitarrenlehrer" empfohlen.
Und tatsächlich sollte hier, in der Musik- und Kunstschule, der Grundstein für das Leben als Musiker gelegt werden. Wenn Hanno Busch über Brill redet, dann gerät er ins Schwärmen: "Es war ein großes Glück, dass er da war." Übers Gehör faszinierte er Hanno für den Jazz, brachte ihn zum Landesjugendjazzorchester - und empfahl ihm später auch die richtige Hochschule: Im niederländischen Hilversum absolvierte Busch sein Studium. Die Kontakte aus der Schüler-Zeit pflegt er bis heute.
"Die richtige Entwicklung macht man durch die freien Sessions, das Spiel über die Ohren und das Improvisieren", blickt der Gitarrist zurück. Für ihn waren das vor allem die Sessions in der Kraftstation, der Villa in Wipperfürth und die Auftritte mit der Band "Detached". "Auch die Akademie Remscheid war total wichtig für mich."
Nach einer langen Zeit mit vielen freien Projekten ist Hanno Busch nun bei den "Heavytones" quasi sesshaft geworden. "Ein Traumjob", sagt Busch. Der einzige Nachteil: "Die Zeit für Projekte nebenher ist eng, "da mache ich nur noch Sachen, die mich wirklich interessieren". Wie zum Beispiel die Arbeit mit dem Indie-Künstler Peter Licht ("Sonnendeck"), mit dem er auch auf dem Melt-Festival 2012 auftreten wird.
Die Hauptrolle aber spielt TV total. Hinter den Einspielern und Songs steckt harte Arbeit. Vor jeder Aufzeichnung stehen rund vier Stunden Proben, Soundcheck und Generalprobe. Gegen 12.30 Uhr geht´s los; um 16.30 Uhr startet das Warmup für die Zuschauer, bevor um 17 Uhr die Aufzeichnung startet.
"Roman ist reingekommen, hat sich hingestellt, los gesungen. Die Proben mit ihm haben nie lange gedauert."
Hanno Busch über unseren Star für Baku
Spontaneität ist dabei immer wieder gefragt - denn tatsächlich sind Spontan-Einlagen von Stefan Raab und seinen Gästen nicht vorher abgesprochen. Buschs persönliches Highlight: Eminem rappt "Zucker im Kaffee". Und wie in jedem anderen Job gehören auch Pannen dazu - wie jener Auftritt, aus dem sich Hanno Busch ausklinken musste, weil seine Gitarre völlig verstimmt war: Vor der Sendung hatte er sich aus Versehen aufs Stimmgerät gesetzt...
Die Idee, "Unseren Star für Baku" per Castingshow zu küren, "die mag ich sehr: Da ging es wirklich um die Musik und um junge Künstler". Für die Musiker war die Arbeit mit den unerfahrenen Talenten zwar anstrengend - mal muss der ganze Song schnell einen halber Ton tiefer gesetzt werden; mal wird nach den Proben entschieden, dass doch ein ganz anderer Song her muss. "Aber natürlich haben auch wir als Band mitgefiebert. Für uns war klar, wer unbedingt weiterkommen muss." Er persönlich sei dabei kein Fan der Blitz-Tabelle gewesen - aber: Die sorgte für permanente Spannung auch bei allen Crewmitgliedern.
Roman Lob sei dabei schon in den Proben ein Ausnahmetalent gewesen, sagt Hanno Busch. Für ihn ist er zweifelsfrei der richtige Starter für Deutschland: "Der ist reingekommen, hat sich hingestellt, los gesungen. Die Proben mit ihm haben nie lange gedauert."
Wie er am Ende abschneiden wird? Dazu fällt auch Hanno Busch angesichts des extrem bunt gemischten Teilnehmerfeldes von Bombast-Show bis zu hochdramatischen Balladen eine Prognose schwer. In Hamburg wird Busch jedenfalls mitfiebern - und auf "Twelve Points" für Roman hoffen.
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