Zum Start der RGA-Uni-Reihe wurde dem Bewegungsmangel der Kampf angesagt
Von Axel Richter
Daheim hätten die meisten der annähernd 100 Zuhörer vermutlich nicht Pferderennen gespielt. Mit Professor Dr. Theodor Stemper taten sich es in der Lenneper Klosterkirche am gestrigen Abend schon. Der Sportwissenschaftler (55) gab den vermutlich bewegungsintensivsten Vorlesungsauftakt der gemeinsamen Vortragsreihe von Remscheider General-Anzeiger und Bergischer Universität. "Jede Bewegung zählt", hielt er fest.
Und: "Der Muskel unterscheidet nicht, ob er durch Sport oder Bewegung im Haushalt trainiert wird." Oder eben durch lustige Spiele.
Der Sportwissenschaftler von der Bergischen Universität präsentierte die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Statistiken über den Zusammenhang von Fitness und Gesundheit: per Beamer im Wechsel mit witzigen Karikaturen und gelungenen Bonmots. Etwa zum Thema Atemfrequenz: "Wenn Sie im Wald einen Jogger hören, bevor Sie ihn sehen, ist er eindeutig überlastet." Oder, um die Gefahr durch ungeeignet Trainingsmethoden zu verdeutlichen: "Wenn Sport Mord ist, dann ist Breitensport Massenmord."
Dass die bequeme Lebensweise ungesund sein muss, belegte der Kölner mit ein paar nüchternen Zahlen. Der Neandertaler lief 20 bis 30 Kilometer am Tag, war bis zu zwölf Stunden in Bewegung und verbrannte dabei bis zu 2000 Kalorien. Der heutige Mensch geht gerade noch zwei Kilometer, bewegt sich 30 Minuten und verbrennt dabei 300 Kalorien. Die Folge nannte der Professor eine "liquide Verquellung", einen Rettungsring.
"Kommando Pimperle" riss die Zuhörer von den Sitzen
"Wir sind die erste Generation, die sich Gedanken um die Steigerung von körperlicher Aktivität machen muss", hielt Stemper fest. Denn der menschliche Körper ist dem des Neandertalers nach wie ähnlich - und darauf ausgelegt, bewegt zu werden. Zwei bis drei Mal Sport in der Woche, empfiehlt der Experte, 45 bis 60 Minuten pro Einheit. Es muss nur der innere Schweinehund überwunden werden. "Das Thera-Band gehört ins Badezimmer und die Laufschuhe vors Bett", riet Stemper und machte gleich wieder mobil. "Kommando Pimperle", hieß das Bewegungs- und Reaktionsspiel, mit dem der Dozent seine Zuhörer zum Abschluss buchstäblich von den Sitzen riss.
DREI WEITERE TERMINE
25. APRIL "Liebe, Leidenschaft und Bindung." Der Sozialpsychologe Prof. Dr. Manfred Hassebrauck ist Deutschlands führender Beziehungsexperte.
16. MAI "Energiewende in Deutschland." Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek fragt: "Wann kommt die Happy Strom Hour?"
13. JUNI "Verschwiegene Jüngerinnen - vergessene Zeuginnen." Die katholische Theologin Prof. Dr. Uta Poplutz stellt starke Frauen in der Nachfolge Jesu vor.
- ALLE TERMINE finden jeweils um 19 Uhr in der Lenneper Klosterkirche statt. Der Eintritt ist frei.
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