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13.04.2012 02:14

Imker freuen sich über jugendlichen Nachwuchs

Von Thomas Wintgen

Zoom Die Kirschblüte ist weiß. Ist sie befruchtet, wird sie rot. Rot sieht die Biene nicht, fliegt sie also nicht "umsonst" an. Die Japanische Zierkirsche ist per se Rot - sie hat auch keine Früchte. So ein Imker-Dasein ist nie langweilig, wissen Iris Gohl und Carsten Siebel, hier an den "Beuten" in der Staelsmühle. Foto: Herbert Draheim

Ein Bienen-Kasten ist gar kein Kasten. Das ist eine "Beute"! Vorher nie gehört; klingt verständlich, wenn man einräumt, dass der Imker den Honig der Bienen erbeutet, ihnen den also gewissermaßen wegnimmt. Carsten Siebel hat verschiedene Typen von "Beuten" auf seinem Gelände, mit dazugehörigen Bezeichnungen, "Top-Bar" beispielsweise.

Eigentlich ist die Biene ein Waldtier; Völker siedel(te)n sich zum Beispiel gerne in Specht-Löchern an; die Vorfahren wussten, wie man von hinten an den Honig kam.

Siebels Urgroßvater hielt schon Bienen in der Staelsmühle. Bienen zu haben, war einst ein Zeichen von Wohlstand ("Zunächst Todesstrafe...", Seite 15). "Lehrer, Pfarrer und Landwirte hielten Bienen", weiß der Hobby-Imker. Pfarrer wohl auch wegen des Wachses für Kerzen.

Es gab Zeiten, da mussten Imker ein Wachs-Kontingent an die Kirche abgeben. Es gab Zeiten, da hießen Imker Zeidler und hatten eine Armbrust auf ihrem Emblem. Weil Honig so wertvoll war, durften die Zeidler als einige von wenigen die Waffe tragen.

Carsten Siebel und Iris Gohl, mit ihm im Vorstand des Imkervereins Dabringhausen, haben ihre Kenntnisse nicht zuletzt von Lehrgängen. In Bechen ist ein Lehrbienenstand, und Fachleute geben dort ihr Wissen weiter. Geerdetes. "Du kannst auch einen Eimer nehmen", erinnert sich Carsten Siebel an eine Empfehlung für einen Kasten, also eine "Beute".

Wichtiger sei der "strukturierte und einfache" Betrieb des Hobbys, also auch für Berufstätige geeignet ist. Den zeitlichen Minimal-Einsatz pro Jahr für ein Volk überschlägt Siebel mit zehn Stunden; darin nicht enthalten ist der Aufwand fürs Schleudern, Reinigen und die Hygiene der Gläser. "So ein Samstag ist fürs Schleudern dicke weg", sagt der 44-Jährige.

Er geht im Sommer gerne einfach mal so in den Garten, setzt sich hin und atmet den Geruch ein. "Da riecht alles nach dem Nektar; das ist so schön!"

Bienen tragen keinen Honig ein in den Stock, sondern Nektar. "Dieser Nektar besteht zu 80 Prozent aus Wasser", erläutert Iris Gohl. Die Bienen sorgen dafür, dass der Flüssigkeitsgehalt auf 18 Prozent sinkt, indem sie den Nektar nach einem ausgeklügelten System mit den Flügeln trocknen. Entsprechende "Enzyme sind das Geheimnis guten Honigs", weiß Siebel.

Sechs Völker besitzt er im Moment. Manchmal trennt er eines und vereint die Teil-Völker im Winter wieder. Bienen leben vier bis sechs Wochen und legen zwischen 1.000 und 1.200 Eier pro Tag. 21 Tage dauert es, "bis die letzte Biene geschlüpft ist", erklären Iris Gohl und Carsten Siebel.

"Da wusste ich: Ich will Imkerin werden"

Iris Gohl

Beide haben verschiedene Sorten Blüten, von denen die Bienen zurückkehren. Um den Honig verkaufen zu dürfen, muss der Imker einen Kurs absolvieren und erhält dafür eine Registrier-Nummer und spezielle Banderolen für das spezielle Honigglas.

Wollen sie ihre Bienen woanders schwärmen lassen, bedarf es einer Wandergenehmigung dafür. Dann fahren die einen Imker in den Raps, die anderen zu Obstbaum-Plantagen.

"Manche Bauern zahlen sogar dafür, wenn wir mit den Bienen kommen", sagt der Vorsitzende des Imkervereins Dabringhausen; "weil die Bienen für die Bestäubung sorgen." Und jeder abgesägte Obstbaum ist ein Verlust nicht nur für Bienen, sondern für unsere Artenvielfalt, für den Garten daheim wie für den Landwirt.

Bei Iris Gohl fing das Interesse fürs Imkern mit einem Besuch des Naturschutzzentrums des Bergischen Naturschutzvereins (RBN) in Schmitzbüchel (Overath) an; da hat sie viel über alte Apfel-Sorten und ihren Wert gelernt. "Als ich von dort nach Hause fuhr", erinnert sich Iris Gohl, "wusste ich: Ich will imkern."

Imker zu sein, sei nie langweilig, hat Carsten Siebel schon von seinem "Imker-Vater" Dieter Endler erfahren. Allein schon, wenn man bedenke, dass die Biene für ein halbes Glas Honig quasi einmal um die Welt fliege. Dazu muss man wissen, dass stets nur winzige Tropfen im Stock ankommen, und dass die Biene für die eigene Energie eine Menge Honig benötigt.

"Was wir imkern", sagen Schatzmeisterin Iris Gohl und Carsten Siebel, "ist nur 20 Prozent dessen, was die Biene hereingeholt hat." Sie vergleichen die Biene als einen schieren Muskel mit Tank.

Wer Interesse am Imkern hat, kann sich wenden an den 1919 gegründeten Bienenzuchtverein Wermelskirchen oder an den Bienenzuchtverein Dabringhausen, in dem der vormals in Dhünn bestehende eigene Verein aufgegangen ist.

Erhard Scheidler (Tel. 5459) ist Vorsitzender des Bzv Wermelskirchen, der an jedem zweiten Donnerstag des Monats (19.30 Uhr) einen von durchschnittlich 15 Mitgliedern - 25 gibt es insgesamt - besuchten Stammtisch in der "Alten Post" in Tente hat.

"Wir haben auch einen Jung-Imker, und zwei stehen in den Startlöchern", freut sich Scheidler. dass sich junge Menschen fürs Imkern begeistern.

Die Dabringhauser haben zurzeit 23 Mitglieder - 5 von ihnen sind Jungimker und schüren entsprechend die Hoffnung auf ein Weiterbestehen. Carsten Siebel ist unter Tel. 89576 zu erreichen.

 



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