Bewohner der Wupperorte zwischen Fassungslosigkeit und Angst
Von Gunnar Freudenberg
Radevormwald. Für Manuela Klang war es gestern keine gewöhnliche Frühschicht. Als die Geschäftsführerin von "Salems Shop" um 5 Uhr die Tür ihres Kiosks in Dahlhausen aufschloss, war die groß angelegte Razzia von Polizei und Staatsschutz gegen die rechte Szene in Rade schon in vollem Gange.
"Es war unheimlich, als sich die Beamten ihre
kugelsicheren Westen
angezogen haben."
Manuela Klang, Anwohnerin
Mannschaftswagen belagerten das Gelände rund um den gegenüberliegenden Gewerbepark an der Hardtstraße. "Bis 6.30 Uhr waren sie hier. Weil es dunkel war, habe ich nicht viel von der Aktion gesehen. Aber es war unheimlich, als sich die Beamten ihre kugelsicheren Westen angezogen haben", berichtet Manuela Klang.
Sie konnte sich sofort zusammenreimen, dass sich der Einsatz gegen die Mitglieder der Gruppierung "Freundeskreis Rade" richtete, die schon häufiger zum Fall für den Staatsschutz geworden war. "Dass sie sich auf dem Gelände regelmäßig treffen, ist fast allen hier an der Wupper bekannt."
Ganz am Ende des Gewerbeparks, im stillgelegten Kraftwerk der ehemaligen Tuchfabrik Hardt & Pocorny am Stauwehr, sind ihre Spuren auch nach der Razzia noch allzu deutlich zu erkennen.
Bierflaschen stehen in der zweiten Etage der Industrieruine, in allen Ecken sind widerliche Parolen zu lesen. Ein verlassener, gespenstischer Ort; perfekt, um unter sich zu bleiben.
Bürgern wird klar, dass sie die "Kinder" ernst nehmen müssen
In der Nähe werden vereinzelt noch Lagerhallen im Gewerbepark genutzt - von kleineren Handwerkbetrieben oder Werkstätten. Die Leute, die hier arbeiten, können kaum glauben, was hier am Morgen passiert ist. "Natürlich hat man hie und da mal was gehört und sie hier gesehen. Aber für mich waren das immer Kinder", sagt ein Mann, der unerkannt bleiben will. "Jetzt ist mir klar, dass man sie doch ernst nehmen muss."
Auch rund um den Wuppermarkt ist die Razzia natürlich Gesprächsthema Nummer eins. Ellen Walter vom Lotto-Geschäft findet es "einfach traurig, dass diese Gegend hier immer wieder negative Schlagzeilen schreibt".
Manuela Bonkowski war gestern ebenfalls Zeugin einer Hausdurchsuchung in den Wupperorten. Sie erträgt es nur schwer, dass in direkter Nachbarschaft Waffen und Propagandamaterial lagerten. Das sei auch ein Verlust von Lebensqualität. "Aus Angst zieht man sich zurück. Nachts traue ich mich schon lange nicht mehr alleine auf die Straße."
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