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19.05.2012 02:10

Wer hat auf Kater "Struppi" geschossen?

Von Gunnar Freudenberg

"Struppi" ist ein echter Kämpfer. Obwohl noch immer 37 Schrotkugeln in seinem Körper stecken, zieht es den zweijährigen Kater vor die Tür. Hinaus in die Scheune des Nachbarn oder auf die große Wiese zum Mäuse jagen. So, wie er es eben immer gemacht hat. Doch im Moment bleibt die Tür für "Struppi" auf unbestimmte Zeit zu. Darauf achtet Frauchen Tabea Winkelmann penibel.

Denn vor genau zwei Wochen wurde auf das Tier geschossen. Oberhalb des rechten Hinterbeins ist das Einschussloch noch immer deutlich zu erkennen.

Was war passiert? Wie jeden Tag schleicht sich "Struppi" auch am 28. April schon früh aus dem Haus in der kleinen Ortschaft Wönkhausen. "Abends taucht er dann normalerweise wieder auf, um sich sein Fressen abzuholen", berichtet Tabea Winkelmann. An diesem Tag aber kommt der Kater nicht zurück. Und auch nicht am nächsten und den folgenden Tagen. Tabea Winkelmann ahnt, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Die 29-Jährige fragt bei Nachbarn nach, hängt überall Fotos von "Struppi" auf. Niemand hat den Kater gesehen. Nur, dass am Tag des Verschwindens ein Schuss zu hören gewesen sei, daran kann sich manch einer erinnern.

Als das Frauchen die Hoffnung fast schon aufgegeben hat, liegt "Struppi" plötzlich vor ihrer Garage - völlig abgemagert und zerzaust. Mit letzter Kraft hatte sich der Kater sechs Tage nach dem Verschwinden bis vor sein Zuhause geschleppt. Eine Nachbarin findet "Struppi" schließlich und bringt ihn sofort zum Tierarzt.

Ohne Verband hält es den
Kater nicht auf den Beinen

"Inzwischen geht es ihm den Umständen entsprechend wieder gut", sagt Tabea Winkelmann. Den Beckenbruch nimmt er tapfer zur Kenntnis, nur eine der Schrotkugeln, die auf den Nerv einer Pfote drückt, macht "Struppi" schwer zu schaffen. Ohne Verband kommt er gar nicht, mit Verband nur sehr vorsichtig und langsam vorwärts. "Man kann nur hoffen, dass alles irgendwann ganz verheilt und er wieder der Alte ist", sagt die Erzieherin, die natürlich wissen will, wer den Schuss abgegeben hat.

Einen verrückten "Katzenhasser" in der Nachbarschaft schließt sie aus. "Hier hält fast jeder einen Hund oder eine Katze. Die Nachbarn haben seitdem doch selbst alle Angst um ihre Tiere", so Tabea Winkelmann. Vielmehr glaubt sie, dass ein Jäger auf "Struppi" geschossen hat. Darauf deutet zumindest die Schrotflinte als Tatwaffe hin. Laut Gesetz wäre das auch erlaubt, wenn eine Katze wildert und etwa einen Hasen erlegt.

"Das weiß ich ja", sagt Tabea Winkelmann. "Aber wenn in so einem Fall schon geschossen werden muss, dann sollte die Katze doch bitteschön auch sofort tot sein. Mein Kater musste tagelang leiden - das ist für mich Tierquälerei." Tabea Winkelmann will deshalb Anzeige erstatten. "Ich kann ja nicht so tun, als wäre nichts passiert."

Seit dem Vorfall genießt sie die Zeit mit "Struppi" noch intensiver. Vorher war die Mischung aus Haus- und norwegischer Waldkatze nämlich alles andere als verschmust. Das hat sich nun geändert. "Er weiß jetzt eben ganz genau, wer es wirklich gut mit ihm meint."



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