"Rade integrativ" und Stadtbücherei informieren über Multiple Sklerose
Von Nadja Lehmann
Laura (Name von der Redaktion geändert) ist 32 Jahre alt, eine lebenslustige Radevormwalderin. Sie wandert, sie will demnächst das Inlineskaten lernen, sie genießt das Dasein. Wieder, so muss man sagen. Oder vielmehr: ganz neu und ganz bewusst. Denn vor drei Jahren war nichts mehr wie vorher, nach der Diagnose Multiple Sklerose. Ein Schock, nicht nur für Laura. Sondern auch für Freundin Sabine Maurer. "Man fühlt sich erstmal total hilflos", bekennt Maurer. "Das war schlimm."
Maurer fand jedoch ihren ganz persönlichen Weg, Freundin Laura zu verstehen und zu unterstützen: Bereits im Vorjahr rief sie gemeinsam mit der Stadtbücherei und dem Verein "Rade integrativ"eine Info-Woche zum Welt-Multiple-Sklerose-Tag ins Leben: Interessierte konnten sich Bücher mitnehmen, Broschüren ausleihen, in Zeitschriften stöbern. "Das kam richtig gut an", erinnert sich Maurer. Ein guter Grund also für eine Wiederholung - dieses Mal von Samstag, 26. Mai, bis Samstag, 2. Juni.
Laura ist nicht anzusehen, dass sie unheilbar krank ist. "In den Kernspintomografie-Bildern von meinem Kopf sind natürlich die vernarbten Entzündungsherde im Inneren zu sehen", sagt die junge Frau, der bewusst ist, dass die MS immer aktiv ist. Wie zahlreiche andere Betroffene weiß auch Laura nicht, was ihr nächste Woche oder in ein paar Jahren körperlich noch möglich ist. "Jetzt geht es mir prima, das kann sich aber schnell ändern."
Freundin Sabine Maurer kann sich noch gut daran erinnern, wie alles anfing. "Laura konnte plötzlich nicht gut sehen. Und ging zum Augenarzt." Der zeigte sich ratlos - bis der Neurologe ins Spiel kam. Ein Krankenhaus-Aufenthalt schloss sich an, bei dem Laura gründlich durchgecheckt wurde. Dann die Diagnose. "Ich fiel in ein Loch. Ich dachte, ich lande im Rollstuhl. Glaubte, mein Leben wäre vorbei", sagt Laura.
Anders ist es auf jeden Fall geworden. Zum Beispiel beim Thema Versicherungen. "Ich wollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Unfallversicherung abschließen", erzählt Laura. Doch viele winkten ab: zu ungewiss der Krankheitsverlauf. "Da bekommt man einen Stempel aufgedrückt", sagt Laura. Erst eine Versicherungsagentin fand nach langer Recherche ein passendes Angebot. "Jetzt bin ich zwar versichert, aber deutlich teurer als Gesunde. Eine Wahl hatte ich ja nicht."
Ein wichtiger Lebensbereich ist für Laura ihr Beruf. Sie war sich lange unschlüssig, ob sie ihrem Arbeitgeber sagen soll, dass sie MS hat. Laura fragte in ihrer Selbsthilfegruppe und holte sich Rat aus dem Internet. Die Meinungen sind geteilt: "Die einen haben gute Erfahrungen gemacht, andere wurden bald nach der Mitteilung entlassen und führen das auf ihre Offenheit zurück." Laura mag ihre Arbeit, hat einen unbefristeten Vertrag und nette Kollegen. Zweimal war sie kurz davor, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, hat es dann aber doch nicht getan. "Klar ist das schon belastend, es für mich zu behalten", räumt sie ein, "aber mir fehlt bisher einfach der Mut, es zu sagen."
Zu groß sei ihre Angst vor dem Verlust der Arbeit, vor komischen Reaktionen der Kollegen, vor Vorurteilen. Laura hat sich erkundigt und weiß mittlerweile, dass sie ihren Arbeitgeber nicht informieren muss. "Jedenfalls nicht, solange die Auswirkungen der MS den Anforderungen meiner Arbeit nicht im Weg stehen," erklärt sie.
Laura hat neue Hobbys
für sich entdeckt
Inzwischen hat sie ganz neue Dinge für sich entdeckt. Ist stundenlang wandern gegangen ("Das wäre mir früher nie eingefallen") und hat in Vorbereitung auf das Inlineskaten in einem Kurs das richtige Fallen gelernt.
"Hinfallen und wieder aufstehen. Wie im richtigen Leben", sagt sie lächelnd.
INFO
AKTION Am 30. Mai ist Welt-Multiple-Sklerose-Tag. Aus diesem Anlass haben sich der Verein "Rade integrativ" und die Stadtbücherei zusammengetan und bieten vom 26. Mai bis 2. Juni einen Büchertisch und Infostand zum Thema MS an. Es können Bücher ausgeliehen und kostenlos Infobroschüren mitgenommen werden.
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