Kürzt Remscheid den Zuschuss für Beratungsstelle?
Von Kerstin Neuser
Remscheid. 57 Verbraucherzentralen gibt es in Nordrhein-Westfalen - schon bald aber könnte es eine weniger sein: "Wenn die Stadt Remscheid tatsächlich wie im Sparpaket vorgesehen ihren Zuschuss streicht, müssen wir schließen", sagt Beate Fackeldey, Regionalleiterin der Verbraucherzentrale NRW. "Denn das würde bedeuten, dass auch das Land seine Zahlungen einstellt." Beide Zuschüsse sind aneinander gekoppelt - das Land zahlt nur so viel wie auch die Stadt beisteuert.
Dabei ist Remscheid schon heute die kleinste Beratungsstelle der Verbraucherzentralen in Nordrhein-Westfalen, sagt Beate Fackeldey. "Kleiner geht nicht." Mehr als 10000 Menschen suchen Jahr für Jahr Rat. Telefon-Abzocke, Vertragsstreit, Gewährleistungsfragen, Abmahnungen, Kaffeefahrten, Tarifdschungel bei Handys: Die Liste der Themen ist lang. "Unsere Mitarbeiter haben dabei stets den Menschen im Blick und bringen eine hohe soziale Kompetenz mit", sagt Beate Fackeldey: "Mit vielen dieser Fragen würde sich kein Anwalt dieser Welt beschäftigen." Ganz abgesehen davon, dass viele Verbraucherzentralen-Kunden sich gar keinen Rechtsrat leisten könnten. "Gerade in Remscheid haben wir einen sehr hohen Anteil kleiner Einkommen, denen sogar die neun Euro Gebühr für eine Rechtsberatung erlassen wird", sagt Beate Fackeldey.
Gerade aktuell ist die die Remscheider Beraterin Lydia Schwertner für so manchen Senior die Rettung in der Not: Etliche Telefonanbieter machen laut Verbraucherzentrale gerade Werbung mit "Seniorentarifen". Was sie dabei verschweigen: Hausnotrufe funktionieren darüber vielfach nicht mehr - und die Gesprächsqualität ist deutlich schlechter. "Gerade Schwerhörige stellt das vor ein enormes Problem." Die Verbraucherzentrale kann meist helfen, oft schnell und unbürokratisch. Hilfesuchende können einfach in die Beratungsstelle an der Alleestraße kommen. Die Schulklassen-Termine, die Beraterin Lydia Schwertner anbietet, sind ebenfalls stark nachgefragt.
Die nächsten Beratungsstellen befinden sich zwar in Wuppertal und Solingen - die Teams dort aber sind genauso ausgelastet wie die Remscheider Beratungsstelle. Ansonsten müssen die Bürger sich nach Bergisch Gladbach oder Leverkusen wenden.
"So zugespitzt führen wir die Diskussion nirgendwo sonst."
Beate Fackeldey, Regionalleiterin
Beate Fackeldey hofft, dass die Politik mit sich reden lässt - und eine Schließung der Remscheider Beratungsstelle sich noch abwenden lässt. Das Spar-Potenzial allerdings ist begrenzt: Erst vor anderthalb Jahren war Lydia Schwertner an die untere Alleestraße gezogen. "Ich bezweifle, dass wir günstigere Räume finden werden", sagt Fackeldey. Falls doch, stünde sie einem Umzug offen gegenüber: "So zugespitzt wie in Remscheid führen wir die Diskussion nirgendwo sonst." Im Gegenteil: Anderswo werden kommunal vorfinanzierte Zusatz-Stellen eingerichtet, weil die Beratung immer wichtiger wird. Fackeldey: "Die Politik muss sich überlegen, was sie in ihrer Stadt weiter vorhalten will und was sie für ihre Bürger tun möchte."
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