Wuppertaler glänzen mit Erstaufführung von Märchenoper
Von Anne-Kathrin Reif
Wuppertal. Man wundert sich und mag es kaum glauben: Die türkische Märchenoper "Ali Baba und die 40 Räuber" von Selman Ada ist noch nie in Deutschland aufgeführt worden. Bis zum vergangenen Sonntag - da feierten die Wuppertaler Bühnen ihre umjubelte deutsche Erstaufführung im Barmer Opernhaus.
Man wundert sich, denn diese Oper hat alles, was sie auch hierzulande zum Renner für ein breites Publikum machen könnte: Eine märchenhafte, leicht zu verfolgende Handlung, Witz, prachtvoll-rasante Räuberchöre, romantische Liebesduette, orientalische Tänze, grundsympathisches Personal. Selman Ada, Komponist und Chefdirigent der türkischen Staatsopern, der seine musikalische Ausbildung in Paris genoss, schuf eine melodiöse, vom französischen Neoklassizismus inspirierte Musik, die er geschickt mit der komplexen Rhythmik und Melodik türkischer Volksmusik verbindet. Das Sinfonieorchester Wuppertal unter Florian Frannnek malte sie farbenprächtig aus.
In der Türkei gilt die 1991 uraufgeführte Oper als das Einstiegswerk für junge Zuschauer schlechthin - gewissermaßen das türkische Pendant zu "Hänsel und Gretel" -, steht quasi unentwegt auf den Spielplänen und ist meist ausverkauft. Ein ähnlicher Erfolg könnte ihr durchaus auch bei uns beschieden sein - jedenfalls wenn die Inszenierung so bunt, einfallsreich und mit so viel Witz daherkommt wie die von Opern-Intendant Johannes Weigand. Und wenn sie so durchweg prächtige Stimmen aufzubieten hat wie jetzt in Wuppertal.
Mit Ünüsan Kuloglu als Gast in der Rolle des gutmütigen Ali Baba können die Bühnen freilich auch einen echten Trumpf ausspielen. Der stimmstarke 39jährige Tenor hat die Rolle bereits in allen türkischen Produktionen gesungen und gibt sie mit spielerischer Selbstverständlichkeit. Zudem hat er als Interpret zahlreicher Wagner-Opern auf deutschen Bühnen keinerlei Schwierigkeiten mit dem ins Deutsche übersetzten Libretto. Dass in der deutschen Fassung möglicher Weise einiges an Klangschönheit verloren geht, ahnt man allenfalls, wenn Miljan Milovic als Ali Babas Sohn Abdullah seine Angebetete Nurcihan (Banu Böke) im türkischen Original ansingt.
Hübsche Regie-Einfälle - wie z.B. die Darstellung einer Szene als Puppenspiel - und die prächtige bonbonbunte Ausstattung (Markus Pysall) machen Erwachsenen wie Kindern gleichermaßen Freude. Durch eingeblendete Zwischentexte lässt sich der Handlung problemlos folgen. Alles in allem ein großer Spaß für die ganze Familie.
TERMINE: Die nächsten Vorstellungen im Wuppertaler Opernhaus: 11., 14., 22., 27., und 29. April (19.30 Uhr, sonntags 18 Uhr)
KARTEN: 0202/569 44 44
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