Schnitzlers "Liebelei" zu Gast im Teo Otto Theater
Von Daniel Diekhans
Remscheid Schweiß steht ihm auf der Stirn. Starr blickt er in den dunklen Zuschauerraum. Dennoch versucht Schauspieler Henning Strübbe Haltung zu bewahren. "Es ist alles in Ordnung." Aber das Zittern in seiner Stimme ist nicht zu überhören. Sie entlarvt, was die Worte verhüllen sollen. In Arthur Schnitzlers "Liebelei" ist das Handeln aller Figuren von Selbstbetrug geprägt.
Fritz fehlt der Mut, der
Wahrheit ins Gesicht zu sehen
Der junge Fritz, den Strübbe verkörpert, übt sich ständig in dieser Kunst. Schon bei seinem ersten Auftritt dämmert ihm, dass seine Affäre mit einer verheirateten Frau kein gutes Ende nehmen wird. Nur fehlt ihm der Mut, dieser Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Sein Freund Theodor, den André Felgenhauer als geborenen Krisenmanager gibt, weiß Rat.
Um Fritz von seiner gefährlichen Liebschaft abzulenken, lädt er zwei junge Mädchen - Mizi und Christine - in Fritz Wohnung. Doch mit seiner dunklen Vorahnung wird Fritz Recht behalten.
Mit seiner kompakten Spielfassung der "Liebelei" kann Regisseur Marc Lunghuß überzeugen. Schwachpunkt seiner Inszenierung ist jedoch die Besetzung, die das Stück nach und nach aus der Balance bringt.
Während das Freundespaar Strübbe und Felgenhauer mit vollem Stimm- und Körpereinsatz die Bühne des Teo Otto Theaters beherrscht, bleiben die beiden Frauenfiguren ziemlich blass. Im Falle von Sigrid Dispert als Mizi, die nichts weiter als den Gegenpart zum flachen Charakter des Theodor darstellt, fällt dies nicht weiter ins Gewicht.
Doch Melanie Vollmer als Christine enttäuscht. Dass Kostümbildnerin Jennifer Thiel sie in ein sackähnliches beiges Kleid steckt - dafür kann sie nichts. Doch auch ihr Spiel geht im Vergleich mit den drei bunt kostümierten Paradiesvögeln fast unter. Dabei ist es Christine, die sich als einzige am Ende des Stücks von ihren Illusionen lösen kann. Anders als Fritz, dessen Selbstbetrug tödliche Konsequenzen hat.
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Lieder von starken Frauen
Remscheid Bewunderung spricht aus der Stimme von Heidi Köhler, wenn sie auf die Geschichte "ihres" Chores zurückblickt: "Dass sich schon 1918 Frauen zusammenfanden und aus Freude am Singen einen Chor gründeten, finde ich beachtlich", sagt die erste Vorsitzende der "Lyra". "Das war immerhin eine Zeit, als man noch dachte, dass Frauen an den Herd gehörten, und der erste Weltkrieg war gerade erst vorbei".
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