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27.03.2012 13:27

„Wenn Rap zensiert wird, wieso nicht das Trash-TV?“

Anna Valeska, X-family

Kool Savas hat neue Projekte am Start. Wir haben mit dem Rapper über Musik, Zensur und Familie gesprochen.

Früher hat Kool Savas gerne mal provoziert. Mittlerweile ist der deutsche Rapper türkischer Abstammung 37 Jahre alt und etwas nachdenklicher, aber kein biss-chen langweiliger geworden. Am 18. August tritt Kool Savas mit den special guests Genetikk, Laas Unltd. und Architekt im Kölner Tanzbrunnen auf, und X-ray verlost dafür 3 x 2 Karten.

Mit „Kool Savas und die Liga der außergewöhnlichen MCees“ startest du dieses Jahr schon deine zweite Tour. Wer steckt hinter der „Liga der außergewöhnlichen Mcees“?

Die Liga, das ist ein bunter Haufen aus Rappern, Sängern, einem DJ, einer Band und einem Comedian, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, die musikalische Landschaft ein bisschen aufzumischen. Auf unserer Tour wollen wir zeigen, wie sich so ein richtiges Jam-Feeling anfühlt. Wir sind verschiedene Artists, die miteinander und mit dem Publikum agieren werden.

Okay, es muss außergewöhnlich sein. Aber was macht für dich sonst eine gelungene Tour aus?

Das Allerwichtigste sind die Leute. Du kannst so viel Licht und Pyromaterial mitnehmen, wie du willst – wenn die Leute unmotiviert sind oder der Funke einfach nicht überspringen will, dann ist das schon zum Scheitern verurteilt. Andersherum: Wenn mir irgendwo die Location nicht so gefällt, aber das Publikum gut drauf ist, dann relativiert sich das ruckzuck und wird trotzdem eine super Show!

Erzähl uns von deinem Projekt mit Xavier Naidoo! Wie kam es dazu?

Xavier und ich haben einen gemeinsamen Freund. Der hat mir dann von Xaviers Plänen erzählt, Produktionen mit Künstlern aus anderen Genres zu starten. Vor mir hatte er schon Projekte mit den Söhnen Mannheims oder Cassandra Steen gemacht. Dann hatten wir persönlich Kontakt, und Xavier erzählte mir, er habe im Urlaub mein Debütalbum gehört und könne sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen. Also waren wir vor einiger Zeit eine Woche lang zusammen im Auto unterwegs, weil wir zusammen eine Art Internetsendung gedreht haben. Nach dem Dreh hatten wir dann endlich mal beide die Zeit und die Muße. Wir haben Studiosessions eingelegt und konnten auch sehr schnell den Grundstein für ein gemeinsames Projekt legen.

Wie war die Resonanz deiner Fans auf das Projekt mit Xavier Naidoo?

Da gibt's natürlich manche, die zweifeln und sich wundern, was das jetzt soll. Aber alle, die mich kennen, wissen, dass ich bei dem, was ich mache, meine eigene Note immer prägnant mit einsetzen werde. Es ist echt ein spannendes Projekt und eine verrückte Sache. Wir sind beide ein bisschen aus unseren Komfortzonen raus gekommen und haben echt was gewagt.

Ist er denn auf deiner Tour mit dabei?

Nee, dafür ist er momentan zu beschäftigt. Aber wenn er Zeit hat und in derselben Stadt ist, dann kommt er schon mal vorbei.

Haben deine drei Alben „Aura“, „Der beste Tag meines Leben“ und „Tot oder lebendig“ etwas gemeinsam?

Alle Alben haben gemeinsam, dass sie unter einem ziemlichen Druck entstanden sind. Ich hab mich immer gestresst und gesagt: Das Album muss für sich stehen und du musst auch zehn Jahre später sagen können: Okay, das war eine Produktion mit Qualität. Außerdem hab ich immer versucht, Rap-Evergreens zu machen. Diese ganzen Forderungen haben diesen Druck aufgebaut. Aber mir ist auch wichtig, dass man die Entwicklung zwischen den Alben erkennt. Meine Releases vor „Der beste Tag“, das war stellenweise richtig offensiver Pimp-Rap, oftmals voller provozierende Ausdrücke, das war genau die Art von Sound, den ich hören wollte. In „Aura“ hingegen habe ich eine verdammt harte Zeit verarbeitet. Trotzdem war es viel angenehmer zu produzieren. Ich habe jetzt ein paar Jahre mehr auf dem Buckel, an Erfahrung, an Selbstbewusstsein. Ich weiß mittlerweile einfach, was gut ist.

Besonders in deiner Anfangszeit hast du oft mit deinen Texten provoziert. Was hältst du von Zensur?

Ich verstehe, dass es sie gibt. Ich verstehe, dass Kinder für manche Sachen schlicht und ergreifend zu jung sind, um zu differenzieren und die Ironie dahinter zu sehen. Ich finde aber auch, man sollte dann auch konsequenter sein. Dann geht auch nicht, dass man mittags schon Titten im Fernsehen sieht und dass man im Trash-TV Leute reden lässt, die einfach nur ignorant sind und eine verblödende Wirkung haben!

Hast du für deinen Job je irgendwelche Opfer gebracht?

Kein bewusstes Opfer, nein. Aber unbewusst hab ich einfach riskiert, so lange keine eigene Familie aufbauen zu können. Es ist echt schwer, sesshaft zu werden oder zu irgendwas eine enge Beziehung aufzubauen, wenn du immer unterwegs bist. Ich hätte echt gern eine Familie, einen Sohn oder eine Tochter. Das war mir bist jetzt leider noch nicht vergönnt, und das ist, glaube ich, das größte Opfer, was ich gebracht habe.

 

Gewinne Tickets!

X-ray verlost 3 x 2 Karten für das Konzert von Kool Savas im August in Köln. Du willst gewinnen? Dann schreib eine E-Mail mit Betreff „Kool Savas“ an x-ray@rga-online.de und verrate uns, warum du unbedingt gewinnen musst! Einsendeschluss ist Freitag, 30. März.                      (Mark)



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