Remscheider Schüler stürmen türkisches Gericht
Anja/Mark
Zehn Tage Schule, Leben und Kultur in der Türkei – das erleben zehn Jungs und Mädels aus Remscheid gerade in Kirsehir.
Land und Leute wollen sie entdecken und die freundschaftliche Beziehung und Verflechtung zwischen Deutschen und Türken stärken. Und so ging es am Ostermontag los für die zehn Remscheider Schülerinnen und Schülerinnen: Die 15- bis 18-Jährigen vom Gertrud-Bäumer-Gymnasium (GBG) reisten nach Kirsehir in der Türkei, wo sie zehn Tage lang in Gastfamilien untergebracht sind und am Unterricht in einer Schule teilnehmen. Organsiert und begleitet wird die Reise in die anatolische Stadt vom Freundschaftsverein Remscheid-Kirsehir. Tatsächlich handelt es sich hierbei um einen Gegenbesuch, denn im Mai 2011 waren fünf Mädchen und Jungen aus Kirsehir zu Gast bei Remscheider Familien und am GBG gewesen.
„Nach dreistündigem Flug und dreistündiger Busfahrt sind alle gut in Kirsehir angekommen. Dort gab es bei einigen ein fröhliches Wiedersehen, bei anderen ein vorsichtiges Warmwerden, aber alle fühlen sich wohl“, meldete Harmut Demski per Mail an X-ray. Demski ist Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lennep und zugleich Vorsitzender des Freundschaftsvereins Remscheid-Kirsehir.
Wir von X-ray haben Hartmut Demski gebeten, dass uns die Jungs und Mädels der Remscheider Reisegruppe aktuelle Berichte schicken – den Anfang macht Anja Keil, eine der GBG-Schülerinnen.
Der erste Tag in Kirsehir
Um fünf Uhr in der Früh wurden meine Freundin Jana und ich vom Wecker der traditionellen Art geweckt: dem Muezzin. Um 8.30 Uhr begann dann die Schule. Nach einer ersten Stunde besuchten Jana und ich die 10b des Haci-Fatma-Liseums im Englisch-Unterricht.
Do you have a boyfriend?
Dort wurden wir ein bisschen wie die „Stars“ behandelt, denn wegen uns wurde extra der Unterricht geändert. Es wurden englische Spiele gespielt. Außerdem beantworteten wir Fragen, die nach anfänglicher Zurückhaltung schnell ziemlich persönlich wurden. Die wichtigste Frage vor allem der Jungen in der Klasse war: Do you have a boyfriend?
Am Schluss haben sie geschätzte tausend Fotos mit uns gemacht. Wohl auch deshalb, weil wir schon vom Äußeren her auffielen wegen unserer hellen Haut, Janas blonden Haaren und meiner braunen Augen.
Begegnung mit der Justiz
Nach dem Schulbesuch gingen wir als Gruppe mit unseren Gastgebern in die Innenstadt von Kirsehir. Vor einem schönen Gebäude, das sich als das neue Gericht in Kirsehir herausstellte, kam unsere Lehrerin auf die Idee, ein „verrücktes“ Foto zu machen. Als sich unsere Gruppe gerade aufgestellt hatte, kam plötzlich ein Anzugträger aus dem Gebäude auf uns zu und wir befürchteten schon das Schlimmste.
Doch als er hörte, dass wir aus Deutschland kommen und an einer Schülerbegegnung teilnehmen, lud er uns herzlich ein hereinzukommen. Und dann bekamen wir sogar eine Privatführung durchs Gebäude!
Während des Rundgangs tauchten in jedem Stockwerk weitere gefühlte hundert Anzugträger auf – unsere persönlichen Paparazzi hielten jede einzelne Situation fest.
Schüler spielen Richter
Schließlich stellte sich uns der oberste Richter vor und erzählte, dass er einen Bruder in Karlsruhe habe. Er führte uns in den Gerichtssaal, wo die schweren Fälle verhandelt werden – also genau das Richtige für uns. Er forderte uns auf, auf das Richterpodium zu steigen und die heiligen Richterroben anzulegen; dann nahmen Jana, Max und ich den Vorsitz ein; Emre spielte den Angeklagten – sehr überzeugend.
Gastfreundschaft überall
Zum Schluss erhielt jeder einen Riesenbrocken Onyxgestein, das in Kirsehir gefunden und verarbeitet wird und angeblich Radioaktivität ablenkt. Wie man sieht, kennt die Gastfreundschaft Kirsehirs keine Tore, die man nicht öffnen könnte … oder bereits geöffnet sind.
Schwarz auf Weiß, oder in unseren Elektro-Briefkasten. Kritik oder Lob – wir wollen wissen, was ihr denkt! Und wenn ihr Lust habt, für X-ray zu schreiben – kommt vorbei!
Alleestraße 77-81
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tel: 02191 – 909 223
fax: 02191 – 909 185
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