Wo die „große“ Politik kleine Dinge entscheidet
Mark
Wie ist es eigentlich, Europa-Politik zu schnuppern? Wir sprachen darüber mit dem Remscheider Jugendratsmitglied Tobias Günther.
Tobias, du bist am Mittwoch beim Europäischen Parlament in Brüssel gewesen. Wie kam es zu diesem Besuch?
Ich war dort zusammen mit dem Remscheider Jugendrats-Kollegen Sören Unger und weiteren Vertretern der Kinder- und Ju-gendratsparlamente aus dem Bergischen Land. Unser Besuch in Brüssel fand auf Einladung von Herbert Reul (CDU), dem Europa-Abgeordneten fürs Bergische Land, statt. Neben einer Einladung des Abgeordneten zum Mittagessen hatten wir die Gelegenheit, Herrn Reul mit Fragen zu löchern und den parlamentarischen Alltag im Europäischen Parlament kennenzulernen.
Welche Fragen habt ihr ihm denn gestellt?
Zum Beispiel, wie er es schafft, als Europa-Abgeordneter in Brüssel Kontakt zu seiner bergischen Region zu halten.
Und, wie macht er das?
Bei vier Sitzungswochen pro Monat versucht Herr Reul, so oft wie möglich am Anfang und Ende einer Sitzungs- und/oder Ausschusswoche und am Wochenende im Wahlkreis vertreten zu sein. Dies wird aber leider dadurch erschwert, dass sein „Wahlkreis“ viermal so groß ist wie der eines Bundestagsabgeordneten. Gegenüber anderen Abgeordneten verfügt er über den Vorteil, dass Brüssel nur knapp drei Autostunden von seiner Heimat entfernt ist. Da haben es die Finnen zum Beispiel schwerer …
Apropos Finnen und andere Abgeordnete – welche Sprachen werden im Europäischen Parlament verwendet und wie findet die Übersetzung statt?
Das ist schon irre, denn das Europäische Parlament verfügt über 23 Amtssprachen. Jeder Abgeordneter kann in den Sitzungen des Parlamentes, der Ausschüsse und der Fraktionen in seiner eigenen Landessprache arbeiten und vortragen. Sie werden dann direkt übersetzt. Alle Sitzungsdokumente zur Arbeit im Plenum und in den Ausschüssen werden ebenfalls in die Sprachen übersetzt. Trotzdem ist die Hauptsprache im persönlichen Gespräch untereinander Englisch.
Hattet Ihr die Chance, eine Sitzung des EU-Parlaments zu verfolgen?
Leider nicht, aber wir haben uns natürlich von der Besuchertribüne aus das Plenum angeschaut. Da-bei wurden uns ein paar Dinge erklärt. Sei es, wo Herr Reul sitzt und welche Fraktionen wo sitzen …
Wie sind denn deine Eindrücke vom Gebäude bzw. vom EU-Parlament in Brüssel?
Das ist echt schwer zu sagen, da wir nur einzelne Räume und Punkte gesehen haben. Wir waren erst in der Kantine zum Mittagessen eingeladen. Dann in einem Besucherraum, um mit Herrn Reul zu diskutieren und danach im Plenum. Als Abschluss waren wir noch im Parlamentarium direkt neben dem EU-Parlament, in dem wir über die Funktion und Aufgaben des Parlaments aufgeklärt worden sind.
Und welchen Eindruck hast du von dem EU-Politiker Reul?
Der freut sich, wenn sich Bürger, Schulklassen und Vereine auf den Weg zum Besuch des Europäischen Parlamentes nach Brüssel oder Straßburg machen, und er unterstützt diese Reisen, soweit es ihm möglich ist.
Was hast du als junger Mann, der sich im Remscheider Jugendrat engagiert, aus Brüssel mitgenommen?
Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir vor dem Besuch nichts von dem EU-Parlament versprochen und fand diese „Einrichtung“ sehr unsinnig. Das hat sich jedoch teilweise nicht bestätigt. Es gibt nämlich wirklich wichtige Dinge, auf die das EU Parlament Einfluss nehmen kann. Beispiel: Schon alleine die Tatsache, dass die Handykosten bei Auslandsanrufen günstiger geworden sind, haben wir dem EU-Parlament zu verdanken. Das klingt nach einer politischen Kleinigkeit, betrifft aber direkt alle EU-Bürger und kann eben auch nur im EU-Parlament entschieden werden.
Viele sagen oder denken, dass die Europa-Politik vor allem von Interessensvertretern und Unternehmen bestimmt wird. Wie siehst du das?
Ich sehe das mit den so genannten Lobbyisten als Hauptproblem. Sie versuchen, die Politiker sowohl bei der Gesetzgebung als auch in der praktischen Politik zu beeinflussen. Herr Reul zum Beispiel findet die Lobbyisten sehr gut, weil sie eine gute Informationsquelle sind, und er sieht sich auch nicht von ihnen beeinflusst. Aber da bin ich skeptisch, denn Politiker sind auch nur normale Menschen und können gar nicht anders, als sich in irgend einer Weise beeinflussen zu lassen.
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