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28.03.2012 17:09

Total kämpft gegen drohende Umweltkatastrophe

Zoom Aus dem Leck an einer Förderplattform vor Schottland strömt weiter ungehindert Gas in die Nordsee. Der Energiekonzern Total sucht fieberhaft eine Lösung. Doch es ist nicht einmal klar, wo genau sich das Leck befindet. Foto: Total

London (dpa) - Weiter strömt gefährliches Gas in die Nordsee. Die Explosionsgefahr ist groß. Doch Ratlosigkeit herrscht im Kampf dagegen.

Mehrere Tage nach Bekanntwerden eines Lecks an einer Förderplattform des französischen Energiekonzerns Total in der Nordsee vor Schottland ist eine Lösung nicht in Sicht. Umweltschützer gehen davon aus, dass das Gemisch giftige Schwefelverbindungen enthält. Schiffe dürfen sich wegen der Explosionsgefahr nur auf zwei Seemeilen nähern, Flugzeuge müssen sogar drei Meilen Abstand halten.

Die Betreiberfirma hatte am Mittwoch noch keinen genauen Plan zur Vorgehensweise. Weder zur Zusammensetzung des ausströmenden Gases noch zur genauen Lage des Lecks wollte sich das Unternehmen äußern. «Es sind noch keine Entscheidungen getroffen worden», sagte ein Sprecher in Aberdeen. Der schottische Umweltminister Richard Lochhead forderte inzwischen «maximale Transparenz» von Total und der britischen Regierung in London.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Gasquelle von selbst versiege, hieß es bei Total. Der britische Energie-Staatssekretär Charles Hendry sprach von einer «aufgelassenen Quelle». Das Leck sei entstanden, als Arbeiter versuchten, die schon fast bis zum Ende ausgebeutete Quelle langfristig zu schließen. Bisher seien rund 20 Tonnen Gas ausgetreten, ein 4,8 Quadratkilometer großer Gasfilm habe sich auf der Meeresoberfläche gebildet, teilte das Unternehmen mit.

Experten aus allen Konzernbereichen berieten darüber, wie die Lage in den Griff zu bekommen sei. Sollte die Quelle nicht versiegen, könnte das Bohrloch mit schwerem Schlamm vollgepresst werden. Experten nennen das einen «Kill». Sicherer wäre eine Entlastungsbohrung, die allerdings bis zu sechs Monate in Anspruch nehmen kann.

Total brachte am Mittwoch das Überwachungsschiff «Highland Fortress» in Stellung, wie ein Sprecher berichtete. Das Schiff verfüge auch über ein ferngesteuertes Mini-U-Boot, mit dem Unterwasseraufnahmen gemacht werden können. Diese Technik sei aber bisher nicht zum Einsatz gekommen.

Am Sonntag war das Leck an der Gasplattform 240 Kilometer östlich der Stadt Aberdeen bemerkt worden. Umgehend brachte Total die 238 Arbeiter in Sicherheit. Tags darauf räumte der Shell-Konzern zwei benachbarte Plattformen.

Umstritten sind die Auswirkungen auf die Umwelt. Bei dem Gas handele sich um eine entflammbare, potenziell explosive Kohlenwasserstoffverbindung, sagte der Total-Sprecher. Umweltexperten gehen davon aus, dass es auch hochgiftige Schwefelverbindungen enthält. «Schwefelwasserstoff tötet alles Leben ab», sagte Peter Lutter von der Umweltschutzorganisation WWF der Deutschen Presse-Agentur.

Der britische Experte Martin Preston von der Universität Liverpool hält dagegen das Risiko für überschaubar. «Wir haben hier nicht die Dimension wie vor zwei Jahren im Golf von Mexiko», sagte er der BBC. Das Gas sei viel leichter und viel flüchtiger als das Öl in den USA. «Dennoch darf man mögliche Auswirkungen auf das Leben im Meer nicht außerachtlassen.»

Die Plattformarbeiter hatten beim Verlassen der Insel am Sonntag eine Flamme brennen lassen, mit der Gas abgefackelt wird. Dies sei absichtlich geschehen, sagte der Total-Sprecher. Die Flamme stelle derzeit keine Gefahr dar. Die Gaswolke und der Gas-Teppich auf dem Meer würden vom Westwind in die entgegengesetzte Richtung getrieben. Die Windrichtung werde sich in den kommenden fünf bis sechs Tagen den Vorhersagen zufolge nicht ändern.



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Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation

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