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06.05.2012 17:22

«Vorwärts, Amerika»: Obama läutet Wahlkampf ein

Von Gabriele Chwallek, dpa

Zoom US-Präsident Obama läutet in Ohio offiziell seinen Wahlkampf ein. Foto: Mark Lyons

Washington (dpa) - Barack Obama beginnt den Kampf: Exakt ein halbes Jahr vor der US-Präsidentenwahl hat der Mann im Weißen Haus seine Kampagne eröffnet.

Unter dem simplen Motto «Vorwärts» rief er am Samstag seine Anhänger in den besonders hart umkämpften «Swing States» Ohio und Virginia auf, nicht zuzulassen, «dass die Uhren in Amerika zurückgestellt werden». Obama weiß, dass Konjunktur und Arbeitsmarkt entscheidend sein werden, ob er oder sein wahrscheinlicher Herausforderer, der Republikaner Mitt Romney, am 6. November als Sieger hervorgeht.

Es werde eine Richtungswahl über die künftige Wirtschafts-und Sozialpolitik geben, machte der demokratische Amtsinhaber in Columbus in Ohio klar. Eindeutig versuchte er, sich von dem Multimillionär Romney abzugrenzen. «Dies ist keine übliche Wahl», rief Obama seinen Anhängern zu. «Dies ist eine Wahl, in der es um Alles oder Nichts für die Mittelschicht geht.» Dagegen sei Romney gegen Steuererhöhungen für die Reichen.

Die «Washington Post» betonte am Sonntag, dass es angesichts der nach wie vor schlechten ökonomischen Lage im demokratischen Lager Zweifel an den Chancen zur Wiederwahl gebe. Obama und Romney seien in den kommenden Monaten beide «Sklaven der Wirtschaftsstatistiken».

Obama wählte Ohio und Virginia für den Wahlkampfauftakt, weil diese zu den besonders hartumkämpften Staaten gehören, die traditionell zwischen demokratischen und republikanischen Kandidaten wechseln. 2008 hatte in Ohio und Virginia eine Mehrheit für Obama gestimmt, 2004 war der Republikaner George W. Bush in diesen Staaten erfolgreich. Experten gehen davon aus, dass diesmal neun solcher «Swing States» wahlentscheidend sein dürften, Dazu gehören außer Ohio und Virginia auch Florida, Pennsylvania, Nevada und Wisconsin.

Mit hochgekrempelten Hemdsärmeln versprach Obama einen Kampf um jede Stimme. «Wir werden gewinnen, auf die alte traditionelle Weise: Von Tür zu Tür, Straße für Straße», sagte er bei seinem Auftritt in der Ohio State University.

Der Präsident räumte ein, dass das Rennen gegen Romney noch knapper werde als vor vier Jahren das gegen John McCain: «Deshalb brauche ich Ihre Hilfe.» Es stehe einfach zu viel auf dem Spiel.

Die derzeitige wirtschaftliche Lage belastet Obamas Chancen zur Wiederwahl. Keiner seiner Vorgänger in den letzten sechs Jahrzehnten konnte eine zweite Amtszeit erreichen, wenn die Arbeitslosenquote über 7,2 Prozent lag. Die jüngste Zahl: 8,1 Prozent Erwerbslose im April. Das ist zwar der niedrigste Stand seit mehr als drei Jahren. Aber der Rückgang wird vor allem damit begründet, dass sich viele Amerikaner aus der Gruppe der Arbeitssuchenden abgemeldet hätten. Durchgreifende Besserung ist nicht in Sicht. In derzeitigen Umfragen liegen Obama und Romney fast gleichauf.

In den Mittelpunkt seiner Reden stellte Obama klar den Kampf für Chancengleichheit. So forderte er einen höheren Steuerbeitrag der Reichen, ihren «fairen Anteil» auf dem Weg nach vorn nach der Überwindung der schwersten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression. Nach einem Jahrzehnt der Kriege, so Obama mit Blick auf die Einsätze im Irak und in Afghanistan, «ist die Nation, die wir wiederaufbauen müssen, unsere eigene».

Der Präsident porträtierte den Ex-Gouverneur und Multimillionär Romney als einen Mann, der die Sorgen und Nöte der Normalbürger nicht verstehe und nach alten Rezepten greife, die sich nicht bewährt hätten. «Es geht nach wie vor um Hoffnung, um Wandel, es geht nach wie vor um die normalen Leute», sagte Obama in Anlehnung an seine Wahlkampfslogans «Hope» (Hoffnung) und «Change» (Wandel) von 2008. Man könne jetzt nicht zurückgehen, «dazu sind wir zu weit gekommen», erklärte Obama. So brauche das Land beispielsweise keinen neuen Streit um das Abtreibungsrecht oder Verhütungsmittel. «Wir bewegen uns nach vorn.»

Als Wahlkampfhelferin hatte Obama seine Frau Michelle an der Seite, die das Publikum jeweils auf den Auftritt des Präsidenten einstimmte. «Seid ihr bereit?» fragte sie die Menge in Ohio. «Er braucht Eure Hilfe», sagte sie im Sportstadion der Virginia Commonwealth University.



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