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25.05.2012 21:21

Privater Frachter «Dragon» an ISS angedockt

Zoom Die Computerillustration der NASA zeigt eine unbemannte «Dragon»-Kapsel, die vom Roboterarm der ISS gepackt und in die richtige «Parkposition» gebracht wird. Foto: NASA

Washington (dpa) - Der «Drache» ist gefangen: Erstmals in der Geschichte hat am Freitag ein privater Transporter an die Internationale Raumstation ISS angedockt. Zwei Astronauten an Bord der ISS war es zuvor gelungen, die anfliegende Kapsel «Dragon» mit einem Roboterarm der Station zu packen.

«Das Einfangen ist erledigt», jubelte die Sprecherin des US-Unternehmens SpaceX, das die Kapsel gebaut hat, in einer E-Mail. Zwei Stunden später, um kurz nach 18 Uhr MESZ, war das historische Andockmanöver vollendet und «Dragon» (übersetzt: Drache) fest am ISS-Modul «Harmony» geparkt.

«Mir fehlen die Worte, um das Hochgefühl und die Erleichterung zu beschreiben, die wir alle hier bei SpaceX empfinden», sagte Firmenchef Elon Musk wenig später im Hauptquartier des Unternehmens im kalifornischen Hawthorne. Jetzt seien hoffentlich Zweifel daran ausgeräumt, dass die private Industrie Aufgaben übernehme könne, die bisher nur staatliche Raumfahrtbehörden ausgeführt hätten.

Mike Suffredini, ISS-Programm-Manager der Nasa, stufte das erfolgreiche Andocken auf einer Pressekonferenz als ein «Spitzenereignis» in der Raumfahrtgeschichte ein. Klappt weiter alles gut bei dieser Test-Mission, soll SpaceX im Auftrag der US-Behörde mit einer Serie von zwölf Gütertransport-Flügen zur Raumstation beginnen. Dafür hat die Nasa mit dem Unternehmen einen 1,6 Milliarden Dollar (1,25 Milliarden Euro) schweren Vertrag abgeschlossen.

Die US-Behörde hatte im Sommer vergangenen Jahres ihre eigene Shuttle-Flotte eingemottet und war seitdem bei Reisen zur ISS ganz auf die russischen Sojus-Kapseln angewiesen. Bei der Beförderung von Astronauten wird das auch auf längere Sicht noch so bleiben. SpaceX will zwar seine Kapsel so weiterentwickeln, dass sie auch Menschen transportieren kann. Aber bis dahin dürften noch Jahre vergehen.

Die Andock-Prozedur war kompliziert und langsam - und doch spannend wie ein Krimi. Meter für Meter schob sich der Frachter an den Außenposten im All heran, um dann wiederholt für Tests gestoppt zu werden: eine sorgfältig geplante Choreographie. So wurde etwa mehrere Male geprüft, ob die Kommunikation zwischen dem Besucher und der ISS klappt und ob alle Manövriersysteme der Kapsel funktionieren.

Für kurze Zeit verwirrte eine Reflexion von der ISS das Navigationssystem des «Drachen», und die Kapsel erhielt das Kommando, sich ein wenig von der Station zurückzuziehen. Aber das Problem konnte schnell gelöst werden, und schließlich war es so weit: Die Nasa gab grünes Licht für die letzte Phase des Anflugs.

Geschnappt wurde der 4,4 Meter hohe und 3,7 Meter breite «Dragon», als er sich der ISS bis auf etwa zehn Meter genähert hatte. Astronaut Don Pettit von der Nasa und Andre Kuipers von der Europäischen Raumfahrt-Agentur hatten die schwierige Aufgabe, den Roboterarm zu steuern, dessen Spitze dann im Zeitlupentempo in eine Ausbuchtung der Kapsel gebracht wurde. «Es sieht aus, als hätten wir einen Drachen beim Schwanz erwischt», freute sich Pettit über die gelungene Operation. In der SpaceX-Zentrale und im Nasa-Kontrollzentrum in Houston (Texas) brandete Beifall auf.

Kuipers war schon ins Schwärmen geraten, als die Kapsel am Freitagmorgen in Sicht kam: «Es ist toll, sie zu sehen.»

An diesem Samstag sollen die ISS-Dauerbewohner mit dem Auspacken beginnen. Der Frachter ist mit gut 500 Kilogramm an Versorgungsgütern beladen. Abdocken soll die Kapsel am 31. Mai, dann bepackt mit Müll zur Entsorgung auf der Erde. Bei der Heimkehr wird es für den «Drachen» aber zunächst feucht werden: Er soll im Pazifik vor der kalifornischen Küste landen, um dann von einem Schiff aufgelesen zu werden.



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