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17.05.2012 10:25

Löws Überraschungsplan mit Reus: Ganz vorn als Stürmer

Von Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa

Zoom Bundestrainer Joachim Löw (l) überlegt, Marco Reus im Sturm einzusetzen. Foto: Marcus Brandt

Porto Cervo (dpa) - Für den Bundestrainer ist er ein «Spieler der Saison», nun will er Marco Reus im Nationalteam zum Stürmer machen. «Ganz vorn drin» will Löw den Neu-Dortmunder vor der Fußball-EM einmal testen. Als Alternative zu einem klassischen Mittelstürmer wie Mario Gomez.

Für eine Überraschung war Joachim Löw in seinen bisherigen sechs Jahren als Bundestrainer immer gut. Zuletzt hatte er vor der WM 2010 den damals 36-jährigen Hans-Jörg Butt nochmals ins Aufgebot befördert, den Turnier-Frischlingen Jérome Boateng, Holger Badstuber und Thomas Müller gleich tragende Rollen verordnet. Nun ließ er mit der Ankündigung aufhorchen, den kleinen Mittelfeldmann Marco Reus in der Fußball-Nationalmannschaft als Stürmer auszuprobieren. «Ich würde ihn gerne ganz vorne sehen, wenn es ganz eng ist im Strafraum. Wenn ein Gegner mit allem verteidigt, ist er in unserem Kombinationsspiel auch anspielbar in der letzten Linie», sagte Löw im EM-Trainingscamp auf Sardinien.

Der FC Barcelona lässt grüßen. Dort ist der klassische Mittelstürmer schon einige Zeit aussortiert. Es geht um die numerische Überzahl im Mittelfeld, um noch mehr Unberechenbarkeit in der Angriffsspitze, in die sich die unterschiedlichsten Spieler schleichen. «Er kann sich wahnsinnig schnell drehen, ist wendig, beweglich und abschlussstark. Er hat das noch nie gespielt, aber das ist eine Überlegung wert. Ich bin mir relativ sicher, dass das ganz gut funktioniert bei uns», bemerkte Löw zu dem Test, der eine Alternative zu klassischen Mittelstürmern wie Mario Gomez sein soll.

«Das muss der Bundestrainer entscheiden», hat der 21 Jahre alte Reus, der bei Borussia Mönchengladbach zum Juwel reifte und ab der kommenden Saison für Meister Borussia Dortmund wirbeln wird, selbst zu seiner Verwendung gesagt: «Ich habe schon etliche Positionen gespielt in Verein und Nationalmannschaft.» Reus weiß um seine besondere Stärke, die Flexibilität: «Das ist sehr wichtig. Ich habe kein Problem, woanders zu spielen.»

Löw sieht Reus mit 18 Toren und elf Vorbereitungen als «einen Spieler der Saison». Er hat dem jungen Mann aber auch schon klar zu verstehen gegeben, woran er arbeiten muss. Mehr Stabilität, weniger Verletzungsanfälligkeit: «Die prophylaktische Arbeit ist wichtig», betonte der Chefcoach. «Vier-, fünfmal musste er absagen», verwies Löw auf Reus' schwierigen Einstand im Nationalteam. «Im Moment hat er es gut im Griff.» So konnte Löws Überraschungsplan mit dem viermaligen Nationalspieler reifen. «Seine Effizienz ist hervorragend», unterstrich Löw. Auch das spricht für ein Experiment mit Reus als Stürmer ganz vorne drin.



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